Stablecoin-Wallets setzen Banken unter Druck, sagt Bain
Bain sieht Stablecoin-Wallets als erste Bedrohung für Bankzahlungen, vor allem bei grenzüberschreitenden Transfers. Banken bleiben jedoch relevant für Aufsicht, Verwahrung und tokenisierte Einlagen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Bain stellt fest, dass Stablecoin-Wallets und digitale Wallets die dominante Rolle von Banken als Ort zum Aufbewahren und Bezahlen von Geld unter Druck setzen.
- Laut dem Bericht verlagert sich der Wettbewerb vor allem auf Zahlungen, während Banken für Aufsicht, Schutz und Verwahrung von Geld wichtig bleiben.
- Banken und große Finanzakteure arbeiten trotz anhaltender Sicherheitsrisiken an tokenisierten Einlagen und Stablecoin-Initiativen mit.
Traditionelle Bankkonten verschwinden nicht sofort, aber ihre Rolle als einziger Ort, um Geld zu bewahren und zu bewegen, steht zunehmend unter Druck von Stablecoins und digitalen Wallets. Das schreibt die Beratung Bain in einem neuen Bericht. Dem Unternehmen zufolge verlagert sich der Wettbewerb vor allem auf Zahlungen, während Banken weiterhin wichtig für Aufsicht, Schutz und Verwahrung von Geld bleiben.
Banken verlieren an Boden
Bain zeichnet ein Marktbild, in dem Banken weniger dominant werden. Ihr Anteil am Umsatz dürfte von derzeit 80% auf 69% im Jahr 2030 sinken. Anfang der 2000er-Jahre lag er laut Bericht noch bei 95%. Damit wird deutlich, dass Neobanken und Krypto-Wallets schon länger an der Position traditioneller Banken nagen, Stablecoin-Wallets nun aber im Zentrum dieser Debatte stehen.
Der Kern der Diskussion ist einfach: Ersetzen Wallets das Bankkonto, oder kommen sie als zusätzliche Ebene obendrauf? Stablecoin-Wallets können digitale Dollar verwahren, Geld rund um die Uhr bewegen und grenzüberschreitend ohne Konto- und Routingnummern arbeiten. Für Nutzer bedeutet das vor allem mehr Flexibilität, besonders bei internationalen Zahlungen.
Zahlungen als erstes Schlachtfeld
Nicht jeder erwartet, dass Wallets sofort auch Sparen und Kredit übernehmen. Marcin Kazmierczak von RedStone sagte, Wallets dürften zunächst vor allem bei Zahlungen gewinnen, besonders in Märkten, in denen Geldtransfers teuer und langsam sind. Er verwies darauf, dass ein Bankkonto drei Funktionen bündelt: Bezahlen, Sparen und Kredit. Seiner Einschätzung nach können Wallets im Zahlungsbereich bereits eine starke Position aufbauen, während Banken die Lizenz behalten, aber die Kundenbeziehung teilweise verlieren.
Diese Debatte ist besonders relevant für grenzüberschreitende Zahlungen. Kazmierczak verwies auf Daten der Weltbank, denen zufolge Bank-Remittances im Schnitt 14,99% kosten, gegenüber einem weltweiten Durchschnitt von 6,36%. Stablecoin-Transaktionen können seiner Aussage nach in Sekunden für weniger als 1% abgewickelt werden.
Das Wachstum von Stablecoins verleiht diesem Trend zusätzlich Gewicht. Im Jahr 2025 erreichte das Transaktionsvolumen von Stablecoins 33 Billionen Dollar (28,4 Billionen Euro), mehr als Visa, Mastercard und American Express zusammen. Gleichzeitig warnte Standard Chartered, dass eine schnellere Adoption bis Ende 2028 zu Abflüssen von 500 Milliarden Dollar (430 Milliarden Euro) bei Einlagen aus US-Banken führen könnte. Das macht deutlich, warum Banken und Fintechs ihre Zahlungsinfrastruktur neu bewerten.
Banken bauen mit
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Banken verschwinden. Ran Goldi von Fireblocks erwartet vielmehr, dass Banken tokenisierte Einlagen ausgeben, die mit Stablecoins zusammenarbeiten können. In seinen Worten wird das Bankkonto dann weniger zu einem geschlossenen System und eher zu etwas Programmierbarem. Auch Alvin Kan von Bitget Wallet sieht die Grenze verschwimmen, weil Nutzer digitale Dollar immer einfacher über Plattformen und Länder hinweg bewegen können.
Diese Entwicklung passt zu einem breiteren institutionellen Wandel. Der GENIUS Act aus dem Jahr 2025 hat Stablecoins in den Vereinigten Staaten weiter verankert, während große Banken wie Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und Wells Fargo Pläne für einen gemeinsamen Dollar-Stablecoin angekündigt haben, dessen Start in der ersten Hälfte von 2027 vorgesehen ist. Für europäische Krypto-Nachrichtenleser zeigt das, wie schnell Stablecoins sich von einem Nischenprodukt zu einem Bestandteil des breiteren Finanzsystems entwickeln.
Auch die Risiken bleiben sichtbar. Resolv’s USR fiel im März um etwa 70%, nachdem ein Angreifer ungedeckte Tokens gemint und 25 Millionen Dollar (21,5 Millionen Euro) abgezogen hatte. StablR meldete im Mai eine unautorisierte Ausgabe von USDR und EURR nach einer Sicherheitslücke. Das unterstreicht, dass das Versprechen von digitalen 24/7-Rails nur dann Bestand hat, wenn der zugrunde liegende Token und die Sicherheit robust genug sind.