Tether kauft Farmland neben Bitcoin und Gold
Der Stablecoin-Emittent verteilt seine Reserven nun auch auf Agrarland in Südamerika, neben Gold, Bitcoin und US-Staatsanleihen. Gleichzeitig schrumpft der Puffer hinter den Reserven, was die Transparenzdebatte rund um Tether weiter anheizt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Tether kaufte rund 70% von Adecoagro für etwa 600 Millionen Dollar und nahm damit Farmland in seine Reservepolitik auf.
- Die Reserven von Tether übertrafen laut KPMG Ende 2025 die Verbindlichkeiten um 6,8 Milliarden Dollar, doch die geprüften Unterlagen sind noch nicht öffentlich.
- Tether meldete im Juni noch einen Puffer von 4,1 Milliarden Dollar; dieser sank durch nicht realisierte Verluste auf Gold und Bitcoin.
Tether, der Emittent der größten Stablecoin der Welt, hat für rund $600 Millionen (€516 Millionen) eine Mehrheitsbeteiligung an einer südamerikanischen Agrargruppe gekauft. Damit ergänzt das Unternehmen seine Reserven um Farmland, obwohl das Reservekonzept bereits Milliarden in Gold und Bitcoin umfasst, während der Puffer hinter den Reserven kleiner geworden ist.
Farmland neben Gold und Bitcoin
Tether übernahm rund 70% von Adecoagro, einem an der Nasdaq notierten Agrarunternehmen, das mehr als 200.000 Hektar in Argentinien, Brasilien und Uruguay bewirtschaftet. Der Deal wuchs im September 2025 auf etwa $600 Millionen (€516 Millionen) an, nach einer ersten Beteiligung von $100 Millionen (€86 Millionen) im Jahr 2024.
Nach Angaben von Tether passt der Kauf in dieselbe Logik wie die Positionen in Gold und Bitcoin: Schutz vor Dollar-Schwäche und Inflation. CEO Paolo Ardoino sagte, das Unternehmen sehe sich als Akteur, der auch in einem Worst-Case-Szenario bestehen müsse. Er bezeichnete die Agrargruppe außerdem als Quelle echter, greifbarer Assets. Tether will die erneuerbare Energie des Unternehmens auch für Bitcoin-Mining nutzen.
Puffer schrumpft nach dem Audit
Auffällig ist das Timing, weil KPMG kürzlich ein sauberes Audit zu den Reserven von Tether vorgelegt hat. Laut dieser Prüfung übertrafen die Reserven die Verbindlichkeiten zum Ende von 2025 um $6,8 Milliarden (€5,9 Milliarden). Ardoino nannte das die stärkste Aussage, die ein Wirtschaftsprüfer abgeben kann, doch die zugrunde liegenden geprüften Unterlagen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Dem steht gegenüber, dass Tether in seiner Juni-Bestätigung, die von BDO geprüft wurde, noch einen Puffer von $4,1 Milliarden meldete. Das entspricht in sechs Monaten einem Rückgang von etwa 40%. Der Rückgang hing vor allem mit nicht realisierten Verlusten auf Gold und Bitcoin zusammen, also genau den Assets, die die Bilanz eigentlich schützen sollen.
Tether bleibt zudem einer der größten Halter von US-Staatsanleihen. In der Quartalsbestätigung für das erste Quartal 2026 lag diese Position bei rund $141 Milliarden (€121 Milliarden). Das Unternehmen streut also über harte Assets, hält aber den größten Teil der Bilanz weiterhin in der Währung, gegen die es sich absichern will.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Beobachter ist das relevant, weil Tether eine zentrale Rolle im Stablecoin-Markt spielt und die Diskussion über Transparenz bei Reserven schon länger läuft. Die Kombination aus Farmland, Gold, Bitcoin und Staatsanleihen zeigt, wie breit Tether seinen Puffer aufstellen will, aber auch, wie schwierig es ist, solche Assets bei unmittelbarem Cash-Bedarf schnell zu verkaufen. In einem strengeren Umfeld für Stablecoins, etwa unter MiCA in der EU, könnte dieser Reserveansatz zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen. Das passt in die breitere Debatte über strengere Reserveanforderungen für Stablecoins, in der Aufseher immer genauer auf vollständige Deckung und die Qualität der zugrunde liegenden Assets schauen.