Tether meldet 1,5 Milliarden Dollar Gewinn, doch der Reservepuffer halbiert sich
BDO bestätigt, dass USDT weiter gedeckt ist. Der Rückgang der Überschussreserve und weniger Details zu Gold und Treasuries sorgen dennoch für neue Fragen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Tether hat im zweiten Quartal rund 1,5 Milliarden Dollar verdient, während der Reservepuffer für USDT auf 4,11 Milliarden Dollar gesunken ist.
- Die Überschussreserven halbierten sich laut der Attestation von BDO von 8,23 Milliarden Dollar im ersten Quartal auf 4,11 Milliarden Dollar zum Ende des Juni.
- Der neue Bericht enthält deutlich weniger Details zu den Reserven, wodurch sich der Rückgang der Überschussreserve schwerer einordnen lässt.
Tether hat im zweiten Quartal rund 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) verdient. Gleichzeitig hat sich der Reservepuffer, der USDT-Inhaber absichern soll, deutlich verringert. Die Überschussreserven lagen zum 30. Juni bei 4,11 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro), nachdem sie im ersten Quartal mit 8,23 Milliarden Dollar (7,2 Milliarden Euro) einen Rekord erreicht hatten. Die Attestation für Q2 2026 von BDO bestätigt zwar, dass USDT weiterhin überbesichert ist. Sie lässt aber offen, wohin mehr als 5 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) an Überschuss verschwunden sind.
Was die Zahlen zeigen
Zum 30. Juni wies Tether laut Bericht Assets von 187,75 Milliarden Dollar (163 Milliarden Euro) aus, denen Verbindlichkeiten in Höhe von 183,64 Milliarden Dollar (160 Milliarden Euro) gegenüberstanden. Drei Monate zuvor lagen die Assets noch bei 191,77 Milliarden Dollar (167 Milliarden Euro), während sich die Token-Verbindlichkeiten kaum verändert haben. Damit ist die Asset-Seite im Quartal um rund 4 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) geschrumpft, obwohl Tether selbst einen Gewinn gemeldet hat.
Auffällig ist zudem, dass Tether die Ergebnisse inzwischen anders beschreibt. Im ersten Quartal sprach das Unternehmen noch von net profit, in der neuen Erklärung ist dagegen von net operating profit die Rede. Diese Formulierung blendet Mark-to-Market-Effekte aus den Zahlen aus, gerade bei Positionen wie Gold und Bitcoin, die sich im Quartal spürbar bewegt haben.
Weniger Details zu den Reserven
Im Gegensatz zum ersten Quartal nennt Tether diesmal für die großen Anlageklassen kaum noch konkrete Dollarbeträge. Damals wies das Unternehmen 141 Milliarden Dollar (123 Milliarden Euro) in Treasury bills aus, dazu rund 20 Milliarden Dollar (17,4 Milliarden Euro) in Gold und etwa 7 Milliarden Dollar (6,1 Milliarden Euro) in Bitcoin. In der aktuellen Erklärung wird Gold nur noch als Bestand von mehr als 146 Tonnen aufgeführt, während die US-Staatsanleihen lediglich als Mehrheit der Reserven beschrieben werden, ohne genaue Summe.
Dadurch lässt sich der Puffer dieses Quartals nur schwer direkt mit früheren Berichten vergleichen. Tether betont zwar, dass der Reserveaufbau weiterhin ausreiche, um USDT vollständig gedeckt zu halten. Gleichzeitig bleibt aber offen, wie der Rückgang der Überschussreserve mit dem Gewinn und den Bewegungen in den zugrunde liegenden Assets zusammenhängt.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Anleger ist das relevant, weil Tether weiterhin zu den größten Stablecoins am Markt zählt und auch außerhalb der USA breit genutzt wird. In Europa kommt zusätzlich der Druck durch strengere Regeln rund um Stablecoins und Transparenz hinzu. Deshalb bekommt jede Veränderung beim Reserveaufbau von USDT hier noch mehr Gewicht. Dass Tether parallel an einer separaten, in den USA regulierten Stablecoin-Initiative arbeitet, zeigt außerdem, dass das Unternehmen seine Struktur weiter zwischen dem globalen Markt und einem stärker regulierten US-Zweig aufteilt.
Die Attestation fällt zudem in eine Phase, in der Tether stärker auf externe Prüfung setzt. Das Unternehmen hat einen Big-Four-Wirtschaftsprüfer beauftragt, um die erste vollständige unabhängige Jahresabschlussprüfung abzuschließen und die Transparenz zu erhöhen. Für Anleger und Marktteilnehmer bleibt damit vor allem die Frage, wie schnell daraus mehr Einblick in die Reserven hinter USDT entsteht.