Tether richtet Bitcoin-Strategie von Twenty One nach Mallers-Abgang neu aus
Nach dem Abgang von Jack Mallers richtet sich Twenty One Capital unter Tether stärker auf Cashflow und den Aufbau des Geschäfts aus, während das Unternehmen weiter 43.514 BTC hält.

Wichtigste Erkenntnisse
- Tether richtet Twenty One Capital nach dem Abgang von Jack Mallers neu aus und legt weniger Gewicht auf weitere Bitcoin-Käufe.
- Unter Raphael Zagury verschiebt sich der Fokus auf Cashflow, den Ausbau des Geschäfts, Governance und Kapitalallokation.
- Twenty One hält 43.514 BTC und will zudem Kredite gegen Bitcoin vergeben, um Liquidität zu schaffen, ohne Coins verkaufen zu müssen.
Tether ordnet die Strategie von Twenty One Capital (XXI) nach dem Rücktritt von CEO Jack Mallers neu, nur sieben Monate nach dem Börsengang des Bitcoin-Treasury-Unternehmens. Unter der Führung von Raphael Zagury rücken zusätzliche Bitcoin-Käufe etwas in den Hintergrund. Stattdessen stehen nun Cashflow, der Aufbau des Geschäfts und die Kapitalallokation stärker im Vordergrund.
Vom Fusionsplan zur Kurskorrektur
Der Richtungswechsel fällt auch deshalb auf, weil Tether Ende April noch einen deutlich umfassenderen Ansatz skizziert hatte. Damals war vorgesehen, Twenty One mit Strike und Elektron Energy zu einer gemeinsamen Bitcoin-Plattform zu verbinden, die Treasury, Mining, Finanzdienstleistungen und Kapitalmärkte abdecken sollte. Inzwischen bleibt Strike eigenständig, und die Gespräche über Elektron befinden sich noch in einem frühen Stadium. Da Tether auf beiden Seiten eine Mehrheitsbeteiligung hält, würde ein solcher Deal zudem als Related-Party-Transaction besonders geprüft.
Die Neuausrichtung passt in einen breiteren Druck auf digitale Asset-Treasury-Unternehmen, also Firmen, die vor allem Krypto kaufen und halten. Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass der Rückgang von Bitcoin in diesem Segment zu Verlusten und Stellenabbau geführt hat. Für Twenty One ist das kein theoretisches Risiko: Die Aktie notierte am Montag bei 5,32 $ (4,66 €), rund 43 Prozent unter dem Ausgabepreis, und das Unternehmen kommt an der NYSE derzeit auf eine Bewertung von etwa 1,85 $ Milliarden (1,6 € Milliarden).
Zagury setzt auf Cashflow
Zagury bringt einen klassischen Finanzhintergrund mit und arbeitete zuvor unter anderem bei Goldman Sachs, Deutsche Bank und Merrill Lynch. Später war er für die Finanzen bei OpenCo zuständig, einst einer der größten Fintech-Kreditgeber in Brasilien. Seine Linie ist klar: Twenty One soll nicht nur als Bitcoin-Vehikel wahrgenommen werden, sondern als operatives Unternehmen, das auch profitable Geschäftsfelder aufbaut.
In einer Stellungnahme sagte er, das Unternehmen solle mit der Disziplin, Governance und Umsetzung einer institutionellen Partei arbeiten. Der Blick dürfe sich dabei nicht nur auf die Bitcoin-Reserve richten, sondern auch auf den Cashflow, den das Unternehmen selbst erwirtschaftet. Außerdem plant Twenty One, Kredite gegen Bitcoin zu vergeben, damit Halter Liquidität freisetzen können, ohne ihre Coins zu verkaufen. Das fügt sich in einen breiteren Markttrend ein, bei dem einige Akteure ihre Bitcoin-Bestände gezielt als Sicherheit oder Finanzierungsquelle nutzen. So prüft Metaplanet in Japan ebenfalls bitcoin-backed Kreditprodukte.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem relevant, dass einer der größten börsennotierten Bitcoin-Halter sein Modell erweitert. Twenty One hält weiterhin 43.514 BTC und liegt damit laut BitcoinTreasuries.net auf Platz zwei unter den börsennotierten Unternehmen, direkt hinter Strategy. Wenn ein Unternehmen wie dieses weniger auf reine Akkumulation und stärker auf operative Erträge setzt, könnte das ein Hinweis darauf sein, wie weit der Markt für Bitcoin-Treasury-Unternehmen inzwischen gereift ist.