Ukraine stellt USDT im Wert von 8,3 Millionen Dollar unter staatliche Verwaltung
ARMA übernimmt erstmals direkte Kontrolle über eine staatlich verwaltete Wallet mit beschlagnahmtem Tether. Der Fall steht im Zusammenhang mit einer internationalen Hackergruppe und Geldwäsche über Immobilien und Autos.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die Ukraine hat mehr als 8,3 Millionen Dollar an beschlagnahmtem USDT unter staatliche Verwaltung gestellt.
- ARMA erhält direkte Kontrolle über die Wallet, eine endgültige Einziehung ist aber erst nach einer gerichtlichen Verurteilung möglich.
- Die Tokens stehen im Zusammenhang mit einem Fall um eine mutmaßliche internationale Hackergruppe, die laut Behörden Schäden von mehr als 100 Millionen Dollar verursacht haben soll.
Die Ukraine hat beschlagnahmte Krypto im Wert von mehr als 8,3 Millionen Dollar beziehungsweise 7,3 Millionen Euro unter staatliche Verwaltung gestellt. Erstmals werden damit digitale Assets des Landes direkt in einer Wallet verwaltet, die von einer staatlichen Stelle kontrolliert wird. Betroffen ist Tether (USDT), womit Kiew einen neuen Umgang mit Krypto-Beschlagnahmen einführt.
Geld aus einem Hacking-Fall
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stammen die Gelder aus Wallets, die mit einem mutmaßlichen Mitglied einer internationalen Hackergruppe in Verbindung stehen sollen. Es geht um USDT im Gegenwert von mehr als 372 Millionen ukrainischen Hrywnja zum Zeitpunkt der Übertragung. Laut den Behörden soll die Gruppe Opfer und Unternehmen in Europa und den Vereinigten Staaten ins Visier genommen haben.
Der Fall fügt sich in ein größeres Muster Stablecoin-getriebener Kryptokriminalität ein. Ermittler gehen davon aus, dass die Gruppe vertrauliche Daten abgegriffen, Lösegeld gefordert und die Erlöse anschließend in der Ukraine über Immobilien und Autos gewaschen hat. Der Gesamtschaden wird auf mehr als 100 Millionen Dollar (87,7 Millionen Euro) geschätzt. Vier Verdächtige, darunter der mutmaßliche Drahtzieher, befinden sich weiterhin in Haft.
ARMA übernimmt direkte Kontrolle
In ukrainischen Verfahren wurden beschlagnahmte Tokens bislang meist nur eingefroren, ohne dass eine Behörde sie aktiv verwaltet hat. Mit der aktuellen Übertragung erhält ARMA, die National Agency for Finding, Tracing, and Management of Assets, nun direkte Kontrolle über die Wallet. Eine endgültige Einziehung ist damit allerdings noch nicht verbunden, dafür braucht es zunächst eine gerichtliche Verurteilung.
Der Schritt steht auch im Zusammenhang mit breiteren Reformen beim Asset-Management in der Ukraine. Seit Anfang 2025 arbeitet ARMA an Gesetzesänderungen, die die Regeln stärker an EU-Vorgaben angleichen sollen. Ziel ist es, die Verwaltung und Rückgewinnung beschlagnahmter Assets effizienter zu machen. Die Reform gehört zu den Bedingungen für Hilfen in Höhe von Hunderten Millionen Euro aus Europa.
Warum das relevant ist
Für Krypto-Beobachter in Europa ist vor allem bemerkenswert, dass erstmals eine staatliche Stelle selbst eine Wallet mit beschlagnahmter Krypto verwaltet. Das könnte Hinweise darauf geben, wie Staaten Stablecoins und andere Tokens in Strafverfahren künftig behandeln, zumal Tether als vergleichsweise stabiles und gut bewertbares Asset gilt. Zugleich zeigt der Fall, dass Krypto-Geldwäsche häufig mit klassischen Assets wie Immobilien und Fahrzeugen verknüpft ist, was die Durchsetzung in der Praxis erschwert.