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USA setzen Brasiliens Pix im Zollstreit unter Druck

Washington macht erstmals ein nationales Bezahlsystem zum Thema im Handelsstreit. Gleichzeitig nimmt die Nutzung von Dollar-Stablecoins in Brasilien zu, während die Zentralbank strengere Regeln vorbereitet.

USA setzen Brasiliens Pix im Zollstreit unter Druck

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die Vereinigten Staaten führen am 22. Juli einen Zoll von 25% auf die meisten brasilianischen Waren ein und setzen erstmals Section 301 gegen das brasilianische Bezahlsystem Pix ein.
  • Pix wird von mehr als 90% der brasilianischen Erwachsenen genutzt und verarbeitet mehr Transaktionen als Kredit- und Debitkarten zusammen, was US-Zahlungsunternehmen benachteiligt.
  • Brasilien versucht, Stablecoins bei grenzüberschreitenden Zahlungen einzuschränken, während der Fall zeigt, wie Zahlungsinfrastruktur Geopolitik und Regulierung beeinflusst.

Die Vereinigten Staaten erheben am 22. Juli einen Zoll von 25% auf die meisten brasilianischen Waren und greifen dabei erstmals auf Section 301 zurück, um auch Brasiliens Bezahlsystem unter Druck zu setzen. Bemerkenswert ist daran vor allem, dass Washington dieses Handelsinstrument üblicherweise bei Themen wie geistigem Eigentum, Subventionen oder Marktzugang einsetzt und nun erstmals ein inländisches Zahlungssystem als Handelshemmnis einstuft.

Pix wird zur Handelsfrage

Im Mittelpunkt steht Pix, das Instant-Payment-System der brasilianischen Zentralbank, das von mehr als 90% der brasilianischen Erwachsenen genutzt wird. Nach Angaben des US-Handelsbeauftragten wickelt Pix inzwischen mehr Transaktionen ab als Kredit- und Debitkarten zusammen. Das setzt US-Zahlungsunternehmen wie Visa und Mastercard unter Druck, zumal teilnehmende Institute das System Verbrauchern kostenlos anbieten müssen.

Auch der Umfang ist inzwischen erheblich. Pix wurde im November 2020 gestartet und hat seitdem mehr als 170 Millionen Nutzer gewonnen. Allein im Juni verarbeitete das System fast 7 Milliarden Transaktionen im Wert von rund R3 $ Billionen (2,6 € Billionen) oder 590 $ Milliarden (516 € Milliarden). In der zweiten Hälfte von 2025 waren es 42,9 Milliarden Transaktionen, verglichen mit 23,8 Milliarden über Kredit-, Debit- und Prepaid-Karten zusammen.

Stablecoins gewinnen an Boden

Der Druck aus den USA trifft auf einen Markt, in dem der Dollar in Brasilien bereits stark über Blockchain-Rails genutzt wird. Laut Steuerdaten entfallen rund 90% des Krypto-Transaktionsvolumens im Land auf Dollar-Stablecoins, vor allem für Zahlungen und Settlement. Schätzungen zufolge verarbeitet Brasilien zudem monatlich zwischen 6 $ Milliarden (5,2 € Milliarden) und 8 $ Milliarden (7 € Milliarden) an Krypto, wobei ein großer Teil über auf Dollar lautende Stablecoins statt über die Landeswährung läuft.

Parallel dazu versucht die brasilianische Zentralbank, die Rolle von Stablecoins bei regulierten grenzüberschreitenden Zahlungen einzuschränken. Resolution 561, die am 1. Oktober in Kraft tritt, soll Zahlungsunternehmen verbieten, Cross-Border-Payments in Stablecoins oder anderer Krypto abzuwickeln. Aus Sicht der Aufsicht bergen diese Tokens Risiken für geldpolitische Souveränität, Besteuerung und Anti-Geldwäsche-Kontrollen.

Bedeutung für Europa

Für europäische Krypto-Beobachter ist der Fall relevant, weil er zeigt, wie schnell Zahlungsinfrastruktur selbst zum geopolitischen Thema werden kann. Die Kombination aus staatlich gesteuerten Systemen wie Pix, Dollar-Stablecoins und neuen Settlement-Rails wie Drex dürfte auch anderswo die Debatte über digitale Zahlungen und Regulierung beschleunigen. Für andere Märkte, in denen Regierungen eigene Netzwerke aufbauen oder bestehende Rails schützen wollen, kann Brasilien damit als wichtiger Referenzfall dienen.


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