Wall Street lenkt 11,2 Milliarden Dollar in regulierte Krypto
Kapital fließt vor allem in Payments, Stablecoins und lizenzierte Exchanges. BlackRock, HSBC und Mastercard sind bereits Teil dieser Verschiebung hin zu MiCA- und aufsichtsnahen Modellen.

Wichtigste Erkenntnisse
- In den ersten sechs Monaten von 2026 sammelte der Kryptosektor 11,2 Milliarden Dollar ein, doch kein Kapital floss in permissionless Experimente.
- Das meiste Geld ging an regulierte Unternehmen in den Bereichen Payments, Stablecoins, Prediction Markets und Krypto-Exchanges.
- Marktteilnehmer zufolge werden Lizenzen und Aufsicht immer wichtiger für die Bewertung und den Zugang zu institutionellem Kapital.
In den ersten sechs Monaten von 2026 sammelte der Kryptosektor 11,2 Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro) ein, doch laut neu ausgewerteten Finanzierungsdaten floss kein einziger Dollar in die permissionless Experimente, um die sich Krypto einst drehte. Die größten Geldströme gingen stattdessen an Unternehmen mit Lizenz, etwa Zahlungsdienste, Stablecoins, Prediction Markets und Krypto-Exchanges.
Kapital entscheidet sich für Lizenzen
Die in Dubai ansässige Krypto-Anwältin Irina Heaver, Gründerin von NeosLegal, sagte, ihr Team habe alle öffentlich gemeldeten Finanzierungsrunden zwischen Januar und Juni 2026 verfolgt. Insgesamt zählte sie 377 Runden. Die drei größten Sektoren nach eingesammeltem Kapital waren Payments und Stablecoins mit 3,7 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro), Prediction Markets mit 2 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) sowie Krypto-Exchanges und Trading-Plattformen mit 1,7 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro).
Laut Heaver zeigt das, dass sich der Markt von unregulierten Experimenten hin zu Unternehmen verschiebt, die unter Aufsicht operieren können. Auch andere Marktteilnehmer sehen diese Bewegung. Große Namen wie BlackRock, Apollo, HSBC, BNP Paribas, Citadel, Goldman Sachs und Nasdaq investierten in regulierte Kryptounternehmen, während Mastercard 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) für das Stablecoin-Zahlungsunternehmen BVNK zahlte.
Prediction Markets ziehen Geld an
Prediction Markets waren in der ersten Jahreshälfte ein auffälliger Anziehungspunkt. Kalshi sammelte im Mai 1 Milliarde Dollar (0,9 Milliarden Euro) in einer Runde mit unter anderem Sequoia Capital, Morgan Stanley, Ark Invest und Andreessen Horowitz ein. Polymarket erhielt 600 Millionen Dollar (519 Millionen Euro) von Intercontinental Exchange, der Muttergesellschaft der New York Stock Exchange. Zusammen zogen Prediction Markets in jedem der ersten sechs Monate von 2026 Kapital an, verteilt auf 34 Runden.
Diese Vorliebe für regulierte Modelle passt zu einer breiteren Professionalisierung des Kryptomarkts. Für europäische Leser ist das relevant, weil Lizenzen, MiCA und andere lokale Rahmenwerke immer häufiger darüber entscheiden, welche Projekte Zugang zu großem Kapital erhalten. In diesem Sinne geht es nicht nur um Funding, sondern auch darum, welche Geschäftsmodelle institutionelle Anleger überhaupt noch finanzieren wollen.
Zudem steht der Sektor unter zunehmendem Druck von Aufsichtsbehörden. In den USA sahen sich Prediction Markets wie Kalshi und Polymarket in diesem Jahr bereits häufiger mit rechtlichen und Compliance-Sorgen konfrontiert, was den Wert einer starken Lizenzposition weiter erhöht.
Lizenzen werden zu einem Bewertungsfaktor
Vineet Budki, Managing Partner bei Sigma Capital, sagte, Lizenzen seien inzwischen ein fester Bestandteil der Unternehmensbewertung. Er verwies darauf, dass Code an einem Wochenende kopiert werden könne, während eine VARA-Lizenz oder ein MiCA-Passport 18 bis 24 Monate dauern und Millionen Dollar kosten könne, bevor ein Projekt live geht.
Budki nannte das keinen reinen Regulation Trade, sondern einen Revenue Trade. Gracy Chen, CEO von Bitget, setzte eine Nuance dagegen: Institutionelles Kapital jage zwar Lizenzen, doch das sage ihrer Ansicht nach nicht alles darüber aus, wo die Nutzer sitzen. Sie verwies auf tokenisierte Aktien auf ihrer Plattform, bei denen 95 Prozent des Volumens laut ihr von privaten Tradern mit kleinen Tickets stammen, rund um die Uhr und größtenteils außerhalb der Venues, die das Geld eingesammelt haben.
Heaver betonte abschließend, dass ihr Datensatz nur öffentlich gemeldete Runden umfasst, weshalb die Gesamtsumme wahrscheinlich unter der tatsächlichen Aktivität liegt. Ihrer Ansicht nach ist die Kernbotschaft klar: Der Markt kauft nicht mehr nur ein Produkt, sondern immer häufiger auch den regulierten Status darum herum.