Wann kommt der Wendepunkt für Ethereum?
Ethereum bleibt hinter den anderen Kursgewinnen des Kryptomarkts zurück.

Ethereum bleibt hinter den anderen Kursgewinnen des Kryptomarkts zurück. Dafür gibt es verschiedene Gründe, doch auch Lichtblicke am Horizont.
In diesem Artikel:
- Warum der Ether-Kurs relativ schwach performt
- Welches Problem Ethereum weiterhin hemmt
- Wann Anzeichen eines Trendumbruchs sichtbar sein könnten
Lange Zeit war es ein ungewöhnliches Bild: Bitcoin steigt, während Ethereum zurückbleibt. Ob es an einem vergleichsweise geringen Interesse institutioneller Investoren liegt, an der Kapitalumschichtung in Richtung konkurrierender Smart-Contract-Plattformen oder einfach an mangelnder Vermarktung: Ethereum scheint einfach nicht in Gang zu kommen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wo die Engpässe liegen, aber auch wo eine mögliche Wende bevorsteht.
Bitcoin und Ethereum: Immer weniger verbunden
Jahrelang schienen Bitcoin und Ethereum untrennbar miteinander verbunden: Steigt der eine, steigt meist auch der andere. Diese Korrelation nimmt jedoch seit Jahren ab. Den Höhepunkt dieser Verbundenheit markierte November 2021, seither ist die Korrelation um 60% gefallen.
Gleichzeitig erreichte Bitcoins Marktdominanz – der Anteil von Bitcoin am Gesamtwert aller Kryptowährungen – einen Höchststand in drei Jahren von 60%. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Bitcoin immer an der Spitze bleibt, aber in den vergangenen Monaten war das der Fall. Bitcoin ist im Vergleich zum Vorjahr um 150% gestiegen, während Ethereum „nur“ 55% gewonnen hat. Obwohl Ether alles andere als schlecht performt, bleibt die Frage: Warum tut sich die zweitgrößte Kryptowährung derzeit so schwer?
Der Druck der Ethereum-Killer
Ein wichtiger Faktor ist die Konkurrenz durch sogenannte „Ethereum-Killer“. Vor allem Solana hat in den letzten Monaten viele potenzielle Ethereum-Nutzer gewonnen. Das zeigt sich an der Anzahl aktiver Adressen, worin Solana seit Oktober die Oberhand hat.

Diese Tendenz ist auch bei der Anzahl Ethereum-Adressen zu beobachten. Die Anzahl Adressen mit mindestens einer oder zehn Ether ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Selbst Adressen mit nur 0,1 Ether zeigen seit Beginn dieses Monats einen Rückgang. Das deutet darauf hin, dass Ethereum Schwierigkeiten hat, neue Nutzer zu gewinnen.
Während Ethereum in früheren Trendwellen wie NFT’s und der Metaverse noch eine zentrale Rolle spielte, musste es die jüngste Meme-Coin-Hype aus der Seitenlinie beobachten. Das ist eine Herausforderung, auf die sich das Projekt eine Antwort finden muss. Dennoch gibt es auch positive Signale.
DeFi-Kopplung
So hat der Handel mit ETFs letzte Woche einen Rekord erreicht, mit mehr als einer halben Milliarde Dollar Zuflüsse. Seit Handelsbeginn im Juli war dies selten so positiv, was dieses Signal besonders wertvoll macht. Ob dies ein temporäres Hoch oder der Anfang einer Trendwende ist, bleibt abzuwarten. Die aktuelle Woche begann jedoch mit 120 Millionen Dollar Abfluss, was weniger optimistisch ist.

Auf anderen Gebieten wächst Ethereum jedoch weiter. Im DeFi-Markt bleibt Ethereum unangefochtener Marktführer. Das Netzwerk verzeichnete in den vergangenen zwölf Monaten mit Abstand den höchsten Zufluss, über 30 Milliarden Euro.
Die Total Value Locked (TVL) – das Kapital, das in Smart Contracts eingezogen ist – erholt sich nach einem Summer-Dip wieder. Wenn dieser Trend anhält, könnte Ethereum seinen jährlichen Rekord von ca. 68 Milliarden Euro erneut erreichen. Derzeit liegt die TVL bei rund 60 Milliarden Euro, nicht weit darunter.
Angebotssenkung könnte den Preis antreiben
Positiv für die weitere Preisentwicklung ist auch die Tatsache, dass das Ether-Angebot an Börsen weiter sinkt. Zurzeit befinden sich nur 10% des gesamten zirkulierenden Angebots an Börsen – der niedrigste Stand seit 2015.
Ein rückläufiges Angebot kann eine Preisreaktion auslösen, vor allem wenn die Nachfrage steigt. Wie frühere Daten zeigen, besteht eine klare Korrelation zwischen verfügbarem Angebot und Preis. Wenn das Angebot sinkt, steigt der Preis in der Regel. Angesichts der jüngsten Stagnation scheint also noch Spielraum für eine weitere ETH-Preissteigerung vorhanden zu sein.