Wintermute setzt 1 Milliarde Dollar auf KI und traditionelle Märkte
Das Londoner Handelsunternehmen will sich weniger auf Krypto stützen und expandiert in Aktien-, Rohstoff- und Devisenhandel. Der US-Broker-Dealer-Status öffnet dabei die Tür zu ETFs und Optionen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Wintermute will in den kommenden fünf Jahren rund 1 Milliarde Dollar in High-Frequency-Trading und KI-Rechenzentrumsinfrastruktur investieren.
- Das Unternehmen erwartet, dass Non-Crypto-Umsatz bis Ende 2027 mehr als 50 % des Gesamtumsatzes ausmacht, gegenüber derzeit rund 10 %.
- Wintermute expandiert in traditionelle Märkte und hat in den USA Broker-Dealer-Status erhalten, wodurch es Aktien und Aktienoptionen handeln darf.
Der Crypto Market Maker Wintermute will in den kommenden fünf Jahren rund 1 Milliarde Dollar (0,9 Milliarden Euro) in High-Frequency-Trading und KI-Rechenzentrumsinfrastruktur investieren. Damit macht das Londoner Kryptounternehmen einen deutlichen Schritt in Richtung Aktien-, Rohstoff- und Devisenhandel, während es seine Umsätze weniger abhängig von Krypto machen will.
Umsatz verschiebt sich in Richtung Non-Crypto
Laut einem Bloomberg-Bericht, der sich auf Gründer und CEO Evgeny Gaevoy stützt, soll Non-Crypto bis Ende 2027 mehr als 50 % des Umsatzes ausmachen. Derzeit liegt der Anteil noch bei etwa 10 %. Wintermute sagt, die Ausgaben mit einbehaltenen Gewinnen finanzieren zu wollen.
Das Timing ist kein Zufall. Der Kryptomarkt hat sich abgekühlt, und Wintermute sah sein durchschnittliches tägliches Handelsvolumen in diesem Jahr auf rund 10 Milliarden Dollar (8,7 Milliarden Euro) zurückgehen, nach 15 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) im Jahr 2025. Das fiel zusammen mit dem Rückgang von Bitcoin auf etwa die Hälfte des Oktober-Hochs über 126.000 Dollar (109.100 Euro).
Mehr Fokus auf Infrastruktur
Die Investition soll Wintermute helfen, mit Akteuren wie Jane Street, Citadel Securities und XTX Markets zu konkurrieren. Das Unternehmen will die Infrastruktur nutzen, um quantitative Modelle mit großen Mengen an Marktdaten zu trainieren und mehr Rechenleistung, Speicher und Netzwerkkapazität aufzubauen. Gaevoy sagte, dass die Teilnahme an traditionellen Märkten mehr erfordert als nur schnellere Ausführung im Mikrosekundenbereich.
Diese Verschiebung passt zu einem breiteren Trend, bei dem Kryptounternehmen ihre Aktivitäten ausweiten, um weniger anfällig für die Volatilität am Kryptomarkt zu sein. Für professionelle Händler ist vor allem relevant, dass High-Frequency-Trading und KI-Infrastruktur immer häufiger in derselben Marktstrategie zusammenkommen, zumal auch etablierte Anbieter weiter massiv in Rechenzentren investieren. Das zeigt sich auch bei Nvidia, das KI-Compute immer stärker als finanzierbares Infrastrukturprodukt für die Wall Street positioniert.
Wintermute baut weiter aus
Wintermute handelte 2025 bereits in exchange-traded funds und perpetual futures, die an tokenisierte Real-World Assets gekoppelt sind, und fügte im März ein 24-Stunden-Exposure auf West Texas Intermediate Crude hinzu. Anfang 2026 eröffnete das Unternehmen außerdem einen Prediction-Markets-Desk.
Zudem erhielt die US-amerikanische Einheit vorige Woche den Broker-Dealer-Status. Dadurch darf Wintermute Aktien und Aktienoptionen handeln und als Authorized Participant für exchange-traded funds auftreten. In der ersten Hälfte von 2026 stammten 72 % des Spotvolumens auf dem OTC-Desk von institutionellen Parteien, ein Rekord für das Unternehmen.
Gaevoy sagte außerdem, dass Wintermute 2025 profitabel gewesen sei und es voraussichtlich auch in diesem Jahr bleiben werde, nannte aber keine Zahlen. Das Unternehmen erzielte laut Forbes 582 Millionen Dollar Gewinn während des Krypto-Bullenmarkts von 2021.