114 Länder arbeiten an CBDC-Projekten
Die Zahl der Länder, die digitales Zentralbankgeld entwickeln, wächst schnell.

Die Zahl der Länder, die digitales Zentralbankgeld entwickeln, wächst schnell. Die halbe Welt bereitet sich mittlerweile auf die Einführung von CBDCs vor.
Die weltweite Entwicklung von CBDCs hat während der Corona-Pandemie einen deutlichen Schub erhalten. Laut einem aktuellen Bericht des US-amerikanischen Atlantic Council beschäftigen sich derzeit 114 Länder mit digitalem Zentralbankgeld — ein Anstieg von 280 Prozent gegenüber Mai 2020, als sich „nur“ 30 Länder mit dem Thema CBDC befassten.
Inzwischen befinden sich 46 Prozent der Länder mindestens in einer Test- oder Entwicklungsphase, heißt es in dem Bericht. Nur Ecuador und Senegal haben ihre eigenen Projekte für digitales Zentralbankgeld vorerst auf Eis gelegt. Allgemein gilt die Volksrepublik China als Vorreiter bei der Entwicklung von CBDCs. Peking testet den digitalen Renminbi (e-RMB) derzeit mit fast 260 Millionen Menschen. Außerdem sind CBDCs bereits in elf Ländern im Einsatz — hauptsächlich in karibischen Staaten wie den Bahamas und Jamaika.
Und auch in Nigeria. Afrikas größte Volkswirtschaft führte die e-Naira bereits im Oktober 2021 ein — mit eher verhaltener Nachfrage. Nur 0,5 Prozent sollen die digitale Währung bisher genutzt haben. Die Zentralbank reagierte darauf, indem sie ab dem 9. Januar die Bargeldabhebungen an Geldautomaten einschränkte.
G7 in der Entwicklungsphase
Auch die sieben wirtschaftlich stärksten Industrieländer arbeiten am „Geld der Zukunft“. Die Federal Reserve startete im November vergangenen Jahres ein groß angelegtes Experiment. Die Europäische Union beauftragte unter anderem Amazon mit der Entwicklung eines Prototyps für einen digitalen Euro. Außerdem habe laut dem Bericht des Atlantic Council nahezu jedes G20-Land in den vergangenen sechs Monaten „erhebliche Fortschritte“ erzielt.
CBDC: Chance oder Risiko?
Die Vorteile digitaler Zentralbankwährungen liegen auf der Hand. Sie können grenzüberschreitende Zahlungen erleichtern und allgemein die finanzielle Inklusion von Bürgern aus Regionen mit schwacher Finanzinfrastruktur fördern. Dennoch sieht der Atlantic Council mehrere Herausforderungen im Zusammenhang mit einer breiten Einführung von digitalem Zentralbankgeld.
Einerseits besteht die Gefahr von Cyberangriffen auf das dominante System. Andererseits könnte eine starke Nachfrage der Verbraucher einen Bank Run auslösen, wodurch die Kreditvergabe der Banken sinken und die Zinsen unter Druck geraten könnten.
Darüber hinaus sehen die Experten des US-amerikanischen Atlantic Council mit dem Aufkommen verschiedener CBDCs auch Schattenseiten für das geopolitische Machtgleichgewicht insgesamt. Es könnte dadurch einfacher werden, Sanktionen zu umgehen — Beispiel: Russland. Seit Beginn des Krieges arbeitet die Föderation mit Hochdruck an der Einführung eines digitalen Rubels. Dieser soll 2024 fertig sein.
Und schließlich ist die Frage der Privatsphäre untrennbar mit CBDCs verbunden. Befürworter argumentieren, dass digitale Zentralbankwährungen und Datenschutz miteinander vereinbar seien. Eine praktische Lösung wurde jedoch noch nicht gefunden. Trotz aller Innovation bleibt ein bitterer Beigeschmack.