Argentinien friert LIBRA-Wallets ein und setzt Binance unter Druck
Der Richter fordert KYC- und Transaktionsdaten von Binance, Bybit und anderen Börsen im LIBRA-Verfahren an. Im Mittelpunkt stehen On-Chain-Geldflüsse, der Verdacht auf Geldwäsche und die Rolle von Präsident Milei.

Wichtigste Erkenntnisse
- Ein Bundesrichter in Argentinien hat im LIBRA-Verfahren Dutzende Wallets eingefroren und fordert Kundendaten von sechs Krypto-Börsen an.
- Betroffen sind unter anderem Binance, Bybit, OKX, CoinEx, FixedFloat und Bitfinex, inklusive KYC-Daten, IP-Logs und Transaktionshistorie.
- Im Mittelpunkt steht eine mutmaßliche Geldwäschestruktur rund um den LIBRA-Token, der nach einer Promotion durch Präsident Javier Milei eingebrochen ist.
Ein Bundesrichter in Argentinien hat mehrere Dutzend Krypto-Wallets eingefroren, die mit dem LIBRA-Verfahren in Verbindung stehen. Gleichzeitig ordnete er an, dass sechs internationale Krypto-Börsen umfassende Kundendaten vorlegen. Gefordert werden unter anderem KYC-Unterlagen, IP-Logs, Transaktionshistorien und verknüpfte Bankkonten. Der Fall gewinnt damit fast anderthalb Jahre nach dem Zusammenbruch des Tokens wieder an Dynamik.
Richter setzt Börsen unter Druck
Bundesrichter Marcelo Martínez De Giorgi erließ die Anordnung auf Antrag von Staatsanwalt Eduardo Taiano vom 14. Juli. Den Unterlagen zufolge stützte sich Taiano auf einen Cybercrime-Bericht der Bundespolizei, in dem Geldflüsse von den sogenannten Team-Libra-Wallets bis zu großen Handelsplattformen nachverfolgt wurden.
Von der Sperre betroffen sind Konten bei Binance, Bybit, OKX, CoinEx, FixedFloat und Bitfinex. Die Plattformen sollen unter anderem Dokumente zur Kontoeröffnung, IP-Verbindungen, Transaktionsdaten, verknüpfte Bankkonten und interne Vermerke herausgeben. Laut Berichten sind mindestens 25 Konten eingefroren, auch wenn die richterliche Entscheidung selbst von Dutzenden Wallets spricht.
Der Richter kam zu dem Schluss, dass sowohl die Glaubhaftigkeit des Anspruchs als auch das Risiko von Verzögerungen gegeben seien. Deshalb bleiben die Konten gesperrt, damit mögliche Erlöse nicht verschoben werden, bevor es gegebenenfalls zu einer Beschlagnahmung kommt.
Spur von On-Chain-Transaktionen
Die argentinische Bundespolizei bearbeitet die Anfragen, während bei Bedarf auch Interpol eingeschaltet werden kann. In dem Bericht wurde eine zusammenhängende Kette von On-Chain-Transaktionen rekonstruiert, die von Team-Libra-Wallets über Jup.ag, FixedFloat und deBridge Finance bis zu den Börsen führt, die nun um Daten gebeten werden.
Die neuen Erkenntnisse basieren auf Beweismaterial aus beschlagnahmten Handys. In der übersetzten Entscheidung ist von einer gezielten Geldwäschestruktur die Rede, bei der kleinere Beträge täglich über mehrere Wallets verteilt worden sein sollen, um eine Umwandlung in Fiat-Währung zu ermöglichen oder die Nachverfolgung zu erschweren.
Für europäische Krypto-Beobachter ist vor allem relevant, dass solche Fälle immer häufiger auf die Kombination aus Blockchain-Spuren und klassischen Identitätsdaten hinauslaufen. Wenn Börsen KYC-Unterlagen und Bankverknüpfungen herausgeben müssen, kann das in Ermittlungen wegen Token-Betrugs oder Marktmanipulation den Unterschied zwischen einer anonymen Wallet und einem konkreten Namen ausmachen.
Politische Brisanz rund um LIBRA
Politisch brisant wurde der Fall im Februar 2025, als Präsident Javier Milei den Solana-basierten LIBRA-Token auf seinem X-Account bewarb. Der Beitrag ist inzwischen gelöscht. Laut der Klage stieg der Preis von 0,01 $ (0.008 €7) auf fast 5 $ (4,37 €), bevor er innerhalb weniger Stunden wieder einbrach.
Ermittler gehen davon aus, dass in diesem Zeitfenster eine kleine Gruppe von Wallets rund 100 $ Millionen (87,5 € Millionen) abgezogen hat, während mehr als 40.000 Käufer, die nach dem Post des Präsidenten eingestiegen waren, hohe Verluste erlitten. Im Fokus der Strafverfolgung stehen Mauricio Novelli, Manuel Terrones Godoy und der US-Geschäftsmann Hayden Davis, der den Token geschaffen haben soll.
Der Druck auf die Börsen kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der zivilrechtliche Teil des Falls gerade an Gewicht verliert. Anfang Juli setzte derselbe Richter alle fünf Investoren auf Antrag der Verteidigung von Novelli als Kläger aus dem Verfahren. Damit bleibt Taiano vorerst fast allein zurück, um das Dossier weiter voranzutreiben.