Finst

Knaken nach MiCA-Verstoß und verschwundenem Kundengeld insolvent

Der Rotterdamer Broker hatte keine AFM-Lizenz nach MiCA. Insolvenzverwalter und FIOD prüfen nun, wo rund 7 Millionen Euro an Kundengeldern geblieben sind.

Knaken nach MiCA-Verstoß und verschwundenem Kundengeld insolvent

Wichtigste Erkenntnisse

  • Der Rotterdamer Krypto-Broker Knaken ist pleite, weil er ohne die vorgeschriebene MiCA-Lizenz gearbeitet hat.
  • Die Justiz prüft, wo rund 8 $ Millionen an Kundengeld geblieben sind; die FIOD führte am 29. Juni Razzien durch.
  • Laut den Anklägern hatte Knaken rund 30.000 Kunden, während eine Rückzahlung für Betroffene weiter ungewiss bleibt.

Der Rotterdamer Krypto-Broker Knaken ist für insolvent erklärt worden. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen ohne die vorgeschriebene MiCA-Lizenz tätig war. Parallel dazu wird weiter untersucht, wo rund 8 $ Millionen (7 € Millionen) an Kundengeldern geblieben sind. Für niederländische Kryptonutzer zeigt der Fall, wie stark die neuen europäischen Vorgaben inzwischen in den Markt hineinwirken.

Keine Lizenz, aber Kunden

Knaken bot seinen Kunden den Kauf, Verkauf und die Verwahrung von Krypto an. Nach Angaben der Behörden hatte das Unternehmen jedoch nie eine Lizenz bei der AFM beantragt oder erhalten. Die niederländische MiCA-Frist lief bereits am 30. Juni 2025 ab, womit das Land bei der Umsetzung der europäischen Regeln schon früh voranging. Im Juni 2026 konnten Kunden plötzlich nicht mehr auf ihre Accounts zugreifen, kurz darauf verschwand das Unternehmen aus dem Netz.

Das Gericht folgte nicht der Darstellung von Knaken, wonach eine Insolvenz nicht erforderlich sei und die Kundengelder sicher seien. Stattdessen wurde ein unabhängiger Insolvenzverwalter eingesetzt, der die Masse sichern und möglichst viel zurückholen soll. Laut den Anklägern hatte Knaken rund 30.000 Kunden.

MiCA setzt die Messlatte höher

MiCA ist das erste umfassende europäische Regelwerk für Krypto-Assets und verpflichtet Anbieter unter anderem dazu, Kundengelder getrennt zu verwahren und robuste Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. Genau diese Trennung von Kundenassets ist in diesem Fall zentral: In den Niederlanden genießen Krypto-Guthaben keinen automatischen Schutz wie Bankeinlagen. Wenn eine Plattform zusammenbricht, hängt eine Rückzahlung daher davon ab, was ein Insolvenzverwalter noch nachvollziehen kann.

Der Fall passt auch zu einem breiteren Trend der Marktkonsolidierung. Seit Inkrafttreten von MiCA haben mehrere Krypto-Plattformen in Europa den Markt verlassen oder ihre Angebote angepasst, weil sie die neuen Anforderungen nicht erfüllt haben. Für Anbieter, die weiterhin aktiv sind oder über eine Lizenz europäische Kunden bedienen wollen, ist die niederländische Durchsetzung deshalb besonders relevant.

Ermittlungen laufen neben der Insolvenz

Neben dem Insolvenzverfahren läuft auch ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren. Die FIOD war am 29. Juni vor Ort und beschlagnahmte Computer sowie Firmenvermögen. Nach aktuellem Stand wurde niemand festgenommen, und die Ermittlungen werden getrennt vom Insolvenzverfahren geführt.

Für betroffene Kunden bleibt das Ergebnis vorerst offen. Eine Auszahlung kann Monate dauern und ist nicht garantiert, zumal niederländische Entschädigungsregelungen Krypto nicht abdecken. Der Fall macht damit deutlich, wie wichtig es für Krypto-Unternehmen ist, nicht nur über eine Lizenz zu verfügen, sondern auch nachweisen zu können, dass Kundengelder getrennt und nachvollziehbar verwahrt werden.


Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine finanzielle, anlagebezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen können unvollständig, ungenau oder veraltet sein und sollten nicht als solche herangezogen werden. Nichts auf dieser Website sollte als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Kryptowährungen angesehen werden. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Verlustrisiken verbunden.