Bitcoin und Aktien dürften in der zweiten Jahreshälfte volatiler werden
KI spaltet den Aktienmarkt, während Bitcoin bei rund 58.300 $ festhängt. Spot Bitcoin ETFs und Derivate machen die Kryptowährung anfälliger für Makro- und Liquiditätsbewegungen.

Wichtigste Erkenntnisse
- In der ersten Jahreshälfte stand vor allem der KI-Trade im Mittelpunkt, doch Marktbeobachter rechnen in der zweiten Hälfte mit deutlich größeren Unterschieden zwischen Gewinnern und Verlierern.
- Bitcoin lag am Dienstag bei rund 58.300 $, nachdem der Kurs in diesem Jahr um 46 % gefallen war. Damit bleibt die Kryptowährung anfällig für makroökonomische Impulse.
- Analysten halten es für möglich, dass Bitcoin zwischen 54.000 $ und 58.000 $ einen Boden ausbildet. Spot Bitcoin ETFs und Derivate haben die Handelsdynamik dabei spürbar verändert.
Die erste Jahreshälfte war klar vom KI-Trade geprägt. Für die zweite Hälfte erwarten Marktbeobachter jedoch ein deutlich selektiveres Bild, bei dem stärker zählt, welche Unternehmen und Assets tatsächlich profitieren. Das betrifft nicht nur Aktien, sondern auch Krypto, zumal Bitcoin in diesem Jahr klar zurückgeblieben ist und der Markt sensibler auf Makrobewegungen reagiert.
KI spaltet den Markt
Nach Einschätzung des früheren Credit-Suisse-Chefs Mark Connors ist KI inzwischen kein pauschaler Rückenwind mehr für den Technologiesektor. Stattdessen zeichnet sich eine Trennung zwischen Unternehmen ab, die KI-Infrastruktur aufbauen, und jenen, deren Produkte oder Dienstleistungen durch Large Language Models und KI-Agenten unter Druck geraten.
Als Beispiel verwies er auf die jüngste Kursschwäche von Accenture. Sie zeige, dass Anleger Beratungsunternehmen inzwischen anders bewerten, weil generative KI immer mehr Wissensarbeit automatisieren kann. Auch Softwareanbieter wie Autodesk und Intuit nannte er als Beispiele dafür, dass der Druck auf klassische Software anhalten dürfte.
Gleichzeitig bleibt aus Sicht von Connors die makroökonomische Unsicherheit der entscheidende Treiber für die Finanzmärkte. Daten von Kestrel zeigen, dass die Korrelation zwischen Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Krypto in den vergangenen Monaten gestiegen ist. Das spricht dafür, dass Anleger derzeit stärker auf politische Signale reagieren als auf unternehmensspezifische Fundamentaldaten.
Bitcoin bleibt unter Druck
Bitcoin notierte am Dienstag bei rund 58.300 $ (51.200 €), nachdem die Kryptowährung in diesem Jahr 46 % verloren hatte. Damit hat sich die Debatte neu entfacht, ob sich Bitcoin inzwischen stärker von seinem früheren Vierjahreszyklus gelöst hat, vor allem seit dem Start von US-amerikanischen Spot Bitcoin ETFs.
Chris Sullivan, Mitgründer und Portfolio-Manager beim Digital-Asset-Hedgefonds Hyperion Decimus, sagt, dass genau diese ETFs und das Hedging an den Derivatemärkten die Handelsmuster von Bitcoin verändert haben. Aus seiner Sicht sind dadurch viele historische Zusammenhänge mit breiteren Makroindikatoren schwächer geworden, auch wenn er den aktuellen Rückgang weiterhin als Teil eines klassischen Marktzyklus einordnet.
Sullivan will erst dann von einem Ende des Bear Market sprechen, wenn sich ein klares Bodenmuster abzeichnet. Er hält es für möglich, dass Bitcoin letztlich in der Zone zwischen 54.000 $ (47.400 €) und 58.000 $ (50.900 €) einen Boden findet. Bessere On-Chain-Fundamentaldaten und ein schwaches Sentiment könnten laut ihm ein attraktiveres Chance-Risiko-Verhältnis schaffen, sobald die Unsicherheit nachlässt.
Die schwache Kursentwicklung passt zum breiteren Druck am Markt. Auch die Bitcoin-Dürre bei der Nachfrage in den USA dauert schon acht Wochen zeigt, dass die US-Nachfrage nach BTC bereits seit Längerem unter Druck steht.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Fans ist vor allem relevant, dass Bitcoin immer häufiger als Teil eines breiteren Makro- und Liquiditätsumfelds gehandelt wird und nicht mehr nur als eigenständige Asset-Klasse. Das dürfte auch beeinflussen, wie Anleger Spot Bitcoin ETFs, Derivate und andere Anlageinstrumente im selben Marktzyklus einordnen.
Die Debatte passt außerdem zu einem breiteren Wandel an der Wall Street, wo traditionelle Häuser Krypto zunehmend in ihre Markteinschätzung einbeziehen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte sich auch weiter verändern, wie Bitcoin auf Zinserwartungen, Risikosentiment und institutionelle Zuflüsse reagiert.