Finst

BitMEX wegen 622,66 Bitcoin vor Gericht verklagt

BKX Services und David Namdar verlangen in New York Schadensersatz und werfen BitMEX sowie den Gründern Manipulationen bei Liquidationen vor. Der Fall kommt zu früheren Vergleichen mit der CFTC und FinCEN sowie der geplanten Schließung im September hinzu.

BitMEX wegen 622,66 Bitcoin vor Gericht verklagt

Wichtigste Erkenntnisse

  • BitMEX ist in den USA wegen angeblichen Diebstahls von Bitcoin und Insiderhandel verklagt worden, und zwar ausgerechnet an dem Tag, an dem das Unternehmen seine Schließung ankündigte.
  • BKX Services und David Namdar geben an, gemeinsam 622,66 BTC durch erzwungene Liquidationen verloren zu haben. Das entspricht rund 40,7 Millionen Dollar.
  • Die Börse war bereits zuvor mit Strafen und Vergleichen von Aufsichtsbehörden konfrontiert und will am 23. September nach 11 Jahren den Betrieb einstellen.

BitMEX gerät erneut unter juristischen Druck. Die Krypto-Börse, die als Erfinder des perpetual swap gilt, ist in den USA verklagt worden. Der Vorwurf lautet auf angeblichen Diebstahl von Bitcoin und Insiderhandel. Bemerkenswert ist dabei, dass die Klage genau an dem Tag eingereicht wurde, an dem das Unternehmen ankündigte, innerhalb von drei Monaten zu schließen.

Eingereicht wurde die Klage vom früheren Tokenization-Projekt BKX Services und David Namdar beim Gericht im Southern District of New York. Nach eigenen Angaben verloren sie zusammen 622,66 BTC, was rund 40,7 $ Millionen (35,7 € Millionen) entspricht. Laut der Klage entfielen davon mindestens 305,81 BTC auf BKX Services und mehr als 316,85 BTC auf Namdar. Auslöser sollen erzwungene Liquidationen gewesen sein.

Klage wegen Liquidationen

Nach Darstellung der Kläger haben BitMEX und die Mitgründer Arthur Hayes, Ben Delo und Samuel Reed ein System aufgebaut, das Kundensicherheiten festhielt und die verbliebenen Bitcoin in den Versicherungsfonds der Plattform umleitete. Zudem soll ein internes Trading Desk Zugriff auf private Kundendaten gehabt haben und selbst während Server-Ausfällen weiter handeln können, während andere Nutzer ihre Positionen nicht schließen konnten.

BitMEX erlaubte Tradern, Positionen mit bis zum 100-Fachen ihres Collaterals zu hebeln. Laut der Klage wurden die Positionen von BKX und Namdar trotzdem liquidiert, obwohl ihre Sicherheiten noch ungefähr doppelt so viel wert gewesen sein sollen wie die Verluste. Die Kläger verlangen außerdem compensatory und punitive damages und wollen erreichen, dass das Gericht den Fall als Class Action zulässt.

Frühere rechtliche Belastungen

Das neue Verfahren fügt sich in eine längere Reihe rechtlicher Auseinandersetzungen rund um BitMEX ein. Bereits 2020 hatte die CFTC die Börse verklagt, weil sie angeblich eine nicht registrierte Handelsplattform betrieben und gegen mehrere Vorschriften verstoßen habe, darunter das Fehlen verpflichtender Anti-Geldwäsche-Verfahren. 2021 kam es zu einem Vergleich über 100 $ Millionen (87,8 € Millionen) mit der CFTC und FinCEN. Im Juli 2024 bekannte sich BitMEX dann schuldig, gegen den Bank Secrecy Act verstoßen zu haben, und zahlte erneut eine Strafe von 100 $ Millionen (87,8 € Millionen).

Vor diesem Hintergrund wirkt die angekündigte Schließung umso gewichtiger. BitMEX teilte am 23. Juli mit, dass der Betrieb am 23. September nach 11 Jahren eingestellt wird. Zuvor hatte die Muttergesellschaft HDR Global Trading eine strategische Überprüfung eingeleitet. Außerdem kam es im vergangenen Monat zu einem breiteren Managementwechsel, bei dem unter anderem der CEO, der CFO und der Head of Growth das Unternehmen verließen.

Die Schließung steht auch im Zusammenhang mit einer umfassenderen Umstrukturierung der Plattform. In einem separaten Bericht wurde bereits bekannt, dass BitMEX nach 11 Jahren dichtmacht und Auszahlungen verschärft. Nutzer mussten dort ihre Positionen abbauen und Geld für die Abwicklung abziehen.

Bedeutung für Europa

Für europäische Krypto-Beobachter zeigt der Fall, wie stark etablierte Derivateplattformen weiterhin an ihrer früheren Marktrolle und Compliance gemessen werden. BitMEX führte 2016 den ersten perpetual swap ein, ein Produkt, das sich inzwischen im Kryptomarkt breit durchgesetzt hat. Gleichzeitig macht die Kombination aus Class Action, Aufsichtsverfahren und geplanter Schließung deutlich, wie stark rechtliche und operative Risiken auf ein Krypto-Unternehmen wirken können.


Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine finanzielle, anlagebezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen können unvollständig, ungenau oder veraltet sein und sollten nicht als solche herangezogen werden. Nichts auf dieser Website sollte als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Kryptowährungen angesehen werden. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Verlustrisiken verbunden.