Cantor und Securitize bringen IPOs onchain
Cantor übernimmt die Rolle am Kapitalmarkt, Securitize liefert die Tokenization-Infrastruktur für die Ausgabe und Verteilung digitaler Effekte. Der Ansatz passt zu den breiteren Plänen von DTCC, JPMorgan und BlackRock.

Wichtigste Erkenntnisse
- Cantor Fitzgerald und Securitize wollen IPOs mit Tokenization und Blockchaintechnologie neu aufsetzen.
- Börsennotierte Unternehmen können laut der Zusammenarbeit Kapital aufnehmen und Securities onchain innerhalb des bestehenden Rahmens des Kapitalmarkts ausgeben.
- Der Deal passt zu einem breiteren Markttrend, bei dem große Finanzhäuser Aktien und Effekte tokenisieren.
Der Investmentriese Cantor Fitzgerald und der Krypto-Broker-Dealer Securitize wollen Initial Public Offerings mit Tokenization und Blockchaintechnologie neu denken. Ziel der Zusammenarbeit ist es, börsennotierten Unternehmen die Kapitalaufnahme und die Ausgabe von Securities onchain zu ermöglichen, ohne den bestehenden Rahmen des traditionellen Kapitalmarkts zu verlassen.
Was der Deal bedeutet
Nach Angaben der Unternehmen übernimmt Cantor die Rolle des Partners mit Kompetenzen in Equity Capital Markets und Trading. Securitize stellt im Gegenzug die Tokenization-Infrastruktur für Ausgabe, Verteilung und laufende Betreuung tokenisierter Securities bereit. Damit rückt Blockchain nicht mehr nur in den Bereich des Sekundärhandels oder einzelner Fonds, sondern direkt in den IPO-Prozess und spätere Follow-on-Offerings.
Der Aufbau ist issuer-sponsored: Der Token bildet die zugrunde liegende Security direkt ab und steht nicht für einen Wrapper, eine SPV oder eine synthetische Exponierung. Dadurch wird Tokenization Teil der eigentlichen Emission und nicht bloß eine zusätzliche Schicht, die erst im Nachhinein ergänzt wird. Securitize gilt seit Längerem als wichtiger Akteur bei tokenisierten Real-World Assets (RWAs) und wurde in diesem Jahr auch in die 2026 Forbes Top 50 Fintech-Liste aufgenommen.
Breiteres Muster am Markt
Der Deal fügt sich in eine breitere Entwicklung ein, bei der große Finanzhäuser Kapitalmärkte zunehmend tokenisieren wollen. Erst diese Woche kündigte auch die Depository Trust & Clearing Corporation zusätzliche Pläne an, Aktien gemeinsam mit Partnern wie JPMorgan, Goldman Sachs, BlackRock und Vanguard zu tokenisieren. Für die Kryptobranche zeigt das, dass Blockchain immer häufiger mit der Infrastruktur traditioneller Effekte verknüpft wird und nicht nur mit einzelnen Krypto-Produkten.
Cantor Fitzgerald ist dabei alles andere als ein Nischenanbieter. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 14.000 Mitarbeiter und ist unter anderem in Investment Banking, Asset- und Investment Management sowie Capital Markets aktiv. Diese Größe macht die Zusammenarbeit vor allem für Marktteilnehmer relevant, die tokenisierte Securities nicht als Experiment, sondern als Teil bestehender Ausgabe- und Vertriebskanäle betrachten.
Auch insgesamt verschiebt sich der Fokus am Markt stärker in Richtung echter Effekte statt reiner Krypto-Konstruktionen. In diesem Zusammenhang ist die Zusammenarbeit mit tokenized stocks ein Beispiel dafür, wie Broker-Dealer und Infrastrukturpartner versuchen, diesen Markt breiter zugänglich zu machen.
Bedeutung für Europa
Für europäische Kryptonutzer ist vor allem relevant, dass Tokenization hier nicht als Nische für Fonds dargestellt wird, sondern als möglicher Baustein für Primärmärkte. Sollten weitere große Akteure diesem Modell folgen, könnte das die Diskussion über digitale Effekte und onchain Settlement noch stärker in Richtung des regulären Kapitalmarkts verschieben. Gleichzeitig bleibt die praktische Umsetzung von den bestehenden Regeln rund um Ausgabe, Verteilung und Eigentum abhängig, weshalb die Wirkung je nach Markt unterschiedlich ausfallen dürfte.