Coinbase: China liegt bei digitaler Zahlungsinfrastruktur vor den USA
Shirzad verweist auf das schnelle Wachstum von e-CNY und mBridge, während der US-Senat bei neuen Kryptoregeln und Stablecoins weiter auf der Stelle tritt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Coinbase-Chef Faryar Shirzad sagt, dass China die USA bei der Finanzinfrastruktur rund um Krypto und digitale Zahlungen überholt hat.
- Der digitale Yuan hat laut der chinesischen Zentralbank 3,48 Milliarden Zahlungen im Wert von rund 2,37 Billionen Dollar verarbeitet.
- In den USA läuft die Debatte über neue Kryptoregeln weiter, und der Senat hat noch nicht abgestimmt.
China hat die USA nach Einschätzung von Coinbase-Chef Faryar Shirzad bei einem zentralen Baustein der Finanzinfrastruktur rund um Krypto und digitale Zahlungen bereits überholt. Der Aufstieg des digitalen Yuan zeige, dass die nächste Ebene des Finanzsystems in China schon aufgebaut werde, während der US-Senat bei neuen Kryptoregeln weiter keine Abstimmung vorgenommen habe.
China baut an Zahlungsrails
Shirzad, der bei Coinbase als Chief Policy Officer tätig ist, sagte in einem Interview mit Fox Business, Krypto sei vor allem eine Technologie für den Transfer von Werten und nicht nur ein Thema für Anleger. Gemeint sind damit die grundlegenden Rails, über die Geld zwischen Banken und Ländern bewegt wird. Nach seiner Darstellung investiert China in diesen Bereich stärker als jedes andere Land.
Die von ihm nicht genannten Zahlen sind öffentlich einsehbar. Der digitale Yuan, auch e-CNY genannt, hat nach Angaben der chinesischen Zentralbank 3,48 Milliarden Zahlungen mit einem Gesamtwert von rund 2,37 Billionen Dollar (2,1 € Billionen) verarbeitet. Seit 2023 ist dieses Volumen um mehr als 800 Prozent gestiegen. Zudem ist der digitale Yuan seit dem 1. Januar in China enger an das Bankensystem angebunden, sodass Guthaben Zinsen tragen und unter die Einlagensicherung fallen können.
mBridge vergrößert die Reichweite
Die Entwicklung passt zu Chinas breiterer Strategie, den Yuan international stärker zu verankern und im grenzüberschreitenden Handel sowie bei der Finanzierung weniger vom Dollar abhängig zu sein. Ein wichtiger Baustein dabei ist mBridge, ein Projekt für internationale Zahlungen, das gemeinsam mit anderen Zentralbanken entwickelt wird. Über das System wurden inzwischen rund 55,49 Milliarden Dollar (48,7 € Milliarden) abgewickelt, wobei der Großteil auf den digitalen Yuan entfällt.
Gemessen am weltweiten Zahlungsverkehr ist mBridge zwar weiterhin klein, das Wachstum fällt aber deutlich auf. 2022 lag das Volumen noch bei 22 Millionen Dollar (19,3 € Millionen). Für europäische Kryptonutzer ist vor allem relevant, dass sich daran zeigt, wie Staaten nicht nur mit digitalen Währungen experimentieren, sondern auch parallele Zahlungsinfrastrukturen aufbauen, die außerhalb der traditionellen, vom Westen geprägten Systeme liegen können.
USA bleibt im Streit stecken
Dem Fortschritt in China steht in den USA ein deutlich langsamerer Prozess gegenüber. In Washington ist die Debatte über Kryptoregeln noch nicht abgeschlossen, und laut Shirzad hat der Senat bislang nicht einmal abgestimmt. Parallel dazu läuft in den USA eine separate Diskussion über Stablecoins und die Frage, wie Zinsen darauf behandelt werden sollen, was die Gesetzgebung zusätzlich verzögert.
Der Kontrast ist damit klar: private Dollar-Stablecoins dominieren den Kryptomarkt weiterhin, während China stark auf staatlich gesteuerte Rails setzt. Coinbase nutzt diesen Vergleich, um zu unterstreichen, dass es beim Wettbewerb um die Finanzinfrastruktur nicht nur um Tokens geht, sondern auch darum, wer die Zahlungsschicht der Zukunft kontrolliert.
Die Blockade in den USA steht nicht isoliert da. Auch der CLARITY Act kommt im Senat nicht voran, wodurch sich die USA weiterhin schwertun, einen klaren Rahmen für digitale Assets zu schaffen.