CoreWeave steigt um 6 %, während die Schulden weiter Sorgen bereiten
Der KI-Infrastruktur-Anbieter macht in Kopenhagen Fortschritte, doch hohe Zinslasten und teure Anleihen setzen die Bilanz weiter unter Druck. Nvidias Rolle als Aktionär und Abnehmer rückt dabei noch stärker in den Fokus.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die CoreWeave-Aktie stieg am Dienstag um mehr als 6 %, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, dass der Großteil der Rechenzentrumskapazität in Kopenhagen in Betrieb ist.
- Anleger bleiben wegen der hohen Schuldenlast besorgt; die Nettozinslast stieg im zweiten Quartal auf 640 Millionen Dollar, nach 267 Millionen Dollar ein Jahr zuvor.
- Trotz der Risiken sind Analysten positiv: 22 von 30 empfehlen die Aktie zum Kauf, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 130,92 Dollar gegenüber 58,54 Dollar am Dienstagmorgen.
Die CoreWeave-Aktie stieg am Dienstagmorgen um mehr als 6 %, nachdem das Krypto-Unternehmen für KI-Infrastruktur mitgeteilt hatte, dass der Großteil der geplanten Rechenzentrumskapazität in Kopenhagen in Betrieb ist. Damit bekamen Anleger erneut einen Eindruck vom Fortschritt beim teuren Ausbau des Unternehmens, doch die Sorgen um die Bilanz bleiben groß.
Teures Wachstum bleibt belastend
CoreWeave vermietet leistungsstarke Nvidia-Chips an Unternehmen, die künstliche Intelligenz entwickeln. Das erfordert Investitionen in Milliardenhöhe, und ein großer Teil davon ist über Schulden finanziert. Die Nettozinslast lag im zweiten Quartal bei 640 Millionen Dollar (574 Millionen Euro), nach 267 Millionen Dollar (239 Millionen Euro) ein Jahr zuvor.
Auch der Anleihemarkt zeigt, dass Anleger nicht beruhigt sind. Bei einer Anleiheemission über 2,75 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) zahlt CoreWeave bis 2031 einen Zins von 9,75 %, doch der Marktpreis ist gefallen. Dadurch stieg die potenzielle jährliche Rendite auf 15,76 %. Das deutet darauf hin, dass Käufer einen deutlichen Aufschlag verlangen, um das Risiko abzudecken, dass CoreWeave seinen Verpflichtungen nicht problemlos nachkommen kann.
Cramer setzt Nvidia unter Druck
Die wachsenden Sorgen veranlassten CNBC-Moderator Jim Cramer, Nvidia-Chef Jensen Huang am Dienstag herauszufordern. Wenn Huang wirklich Vertrauen in CoreWeave habe, dann sollte Nvidia laut Cramer auch selbst diese hochverzinslichen Anleihen kaufen und einen Teil des Risikos tragen.
Huang verteidigte CoreWeave erst Anfang des Monats. Gegenüber Bloomberg sagte er, er sei optimistisch und die Kapitalkosten des Unternehmens würden sogar sinken. Nvidia hält bereits rund 10 % an CoreWeave und hat zudem eine Vereinbarung über 6,3 Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro), um ungenutzte Rechenleistung bis 2032 abzunehmen. Der Kauf bestehender Anleihen würde dieses Engagement erhöhen, bringt CoreWeave aber keine neue Finanzierung.
Warum das relevant ist
CoreWeave ist einer der klarsten Tests für den KI-Hype am Kapitalmarkt. Die Kombination aus schnellem Wachstum, hoher Verschuldung und teurer Finanzierung zeigt, wie streng Anleger KI-Unternehmen inzwischen bewerten. Für europäische Leser ist das relevant, weil die Branche auch hier immer mehr Kapital anzieht und Finanzierungskosten eine größere Rolle spielen könnten.
Der Druck auf CoreWeave passt in einen breiteren Trend, in dem Anleger KI-Unternehmen kritischer sehen, die ihr Wachstum vor allem über Schulden finanzieren. JPMorgan sieht die KI-Finanzierung strenger werden und warnte bereits davor, dass Kreditgeber nicht mehr nur auf das KI-Label schauen, sondern Belege für Cashflow und Schuldentilgung sehen wollen.
Trotz der Sorgen bleiben Analysten an der Wall Street überwiegend positiv. Laut TipRanks empfehlen 22 von 30 Analysten die Aktie zum Kauf, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 130,92 Dollar (117 Euro) auf Zwölf-Monats-Sicht. Das liegt deutlich über den 58,54 Dollar (53 Euro), bei denen die Aktie am Dienstagmorgen stand, auch wenn die Erwartungen stark auseinandergehen und von 39 Dollar (35 Euro) bis 250 Dollar (224 Euro) reichen.