Wie Europa von strenger Kryptoregulierung in den USA profitieren kann
Die USA gehen hart gegen den Kryptosektor vor.

Die USA gehen hart gegen den Kryptosektor vor. Die Europäische Union könnte dies als Chance nutzen. Aber wird das auch passieren?
Die USA gehen derzeit hart gegen den Kryptosektor vor. Es werden Klagen gegen Kryptounternehmen wie Kraken eingereicht, lang erwartete Lizenzen wie Paxos werden verweigert und Banken wie Signature werden unter Druck gesetzt, keine Geschäftskontakte mit Kryptounternehmen einzugehen. In der Zwischenzeit lässt sich von einer koordinierten Aktion gegen den Kryptosektor durch das US-Finanzministerium, die US-Notenbank und die US-Börsenaufsicht sprechen.
MiCA als Vorteil?
Bisher schien zu viel Regulierung vor allem innerhalb der Europäischen Union ein Problem zu sein, während die USA Entwicklungen eher zuließen. Immer wieder gibt es absurde Vorschläge – denk nur an das vorgeschlagene Verbot von Proof-of-Work in den MiCA-Verhandlungen – die den Kryptosektor in Brüssel zittern ließen. Bisher sind die schlimmsten Szenarien nicht durchgekommen.
Einige Pläne in der EU sind unrealistisch; ein Beispiel sind die überzogenen Meldestandards für Kryptotransaktionen. Natürlich sollte hier angemerkt werden, dass die MiCA erst nächsten Jahr in Kraft tritt und wir dann erst vollständig mit den Folgen konfrontiert werden. Vor allem, weil weitere Anpassungen und Änderungen der MiCA zu erwarten sind.
Eine Frage, die sich aus der aktuellen Situation ergibt, ist jedoch, ob Europa und die EU von der jetzigen Situation in den USA profitieren können?
Kann die Europäische Union ihre Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Krypto steigern?
Mit MiCA schafft die EU mehr Klarheit über die Regulierung, die die USA noch nicht hat. Besonders da der Ausschluss ausländischer Konkurrenz in den USA derzeit besonders stark trifft und Unternehmen wie Binance betrifft. Es scheint, dass die USA hart gegen Unternehmen vorgehen, die außerhalb der USA ansässig sind. Wenn die EU Klarheit schaffen kann, die in den USA derzeit fehlt, könnte das einen Wettbewerbsvorteil bedeuten.
Auch die zermürbende Debatte bei der US-Börsenaufsicht SEC darüber, ob bestimmte Kryptowährungen oder Kryptodienste, wie Staking, unter ihre Aufsicht und Regulierung fallen, sorgt weiterhin für Unsicherheit in der Branche. Neben der EU könnten vor allem das Vereinigte Königreich, Dubai, Singapur und die Schweiz davon profitieren.
Fehlende Mut für Krypto
Ob die EU ihre Chance ergreift, bleibt eine andere Frage. Sie wird ja stark davon beeinflusst, was in den USA passiert, auch wenn Brüssel das heute ungern zugibt. Mit anderen Worten: Wenn die USA die Kryptosektor hart angehen, wird es in der EU kaum eine freie Haltung gegenüber Krypto geben.
Die Chance, in der aktuellen Phase Offenheit gegenüber Kryptodiensten zu signalisieren, wäre die Aufgabe von europäischen Politikern und Beamten. Leider ist genau das nicht zu erwarten. Andere Rechtsbereiche sind besser darin, Industrien zu begrüßen und sogar anzuziehen als die Europäische Union derzeit.
Zufällig wurde letzte Woche ein Gesetzentwurf vom EU-Parlament veröffentlicht, der Banken in der EU eine strenge Vorgehensweise für Kryptodienste und Geschäftsbeziehungen mit Kryptounternehmen vorschreibt.
Harte Hand und institutionelle Zustimmung
Auf den ersten Blick mag ein solcher Plan negativ für die Kryptosektor wirken. Andererseits darf man nicht vergessen, dass das größte Hindernis für institutionelle Zustimmung die Unsicherheit in der Regulierung ist. Das gilt sowohl für die USA als auch für die EU. Dies ist auch einer der Gründe, warum viele Banken noch immer sehr zögerlich waren, Krypto zu nutzen.
Wenn die Behörden jetzt Fakten schaffen, auch wenn sie hart sind, können sie letztlich zu entscheidender Sicherheit für institutionelle Akteure führen. Blickt man auf den Bitcoin-Kurs, könnte man sagen, es ist besser, eine strenge Regulierung zu haben als gar keine, weil im letzteren Fall das Kapital der institutionellen Investoren fernbleiben würde.