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Wie lange gibt es noch ein Kryptoverbot in China?

In letzter Zeit gibt es immer mehr Anzeichen dafür, dass China sich der Crypto-Ökonomie annähert.

Wie lange gibt es noch ein Kryptoverbot in China?

In letzter Zeit gibt es immer mehr Anzeichen dafür, dass China sich der Crypto-Ökonomie annähert. Wie man neue NFT-Marktplätze und Kryptobesteuerungspläne in China interpretieren kann?

Genau wie China die Vorteile programmierbarer Geldwerte nicht aufgeben will, möchte es auch nicht zulassen, dass es in anderen Web-3-Sektoren hinter dem Westen zurückbleibt. Vor allem, weil die Nachfrage der eigenen Bevölkerung langfristig nur begrenzt unterdrückt werden kann und von wirtschaftlichem Wachstum abhängt.

Das sollte erklären, warum China wiederholt eine gewisse Offenheit für Crypto-Anwendungen zulässt. So eröffnete China zum 1. Januar dieses Jahres einen staatlich kontrollierten NFT-Marktplatz. Dafür wird die staatliche "Blockchain" verwendet, namens Cultural Protection Chain. Auch die Marktregulierungsbehörde der chinesischen Provinz Hainan plädiert für einen innovationsoffenen regulatorischen Ansatz von NFTs und verweist auf deren Potenzial.

Die Umbenennung von NFT

Der Begriff NFT wird jedoch vermieden und stattdessen von "digitale Sammlerstücke" gesprochen. Wegen des Kryptoverbots können diese logisch gesehen auch nur mit der Währung 'Renminbi' gekauft werden.

Das hat natürlich nichts mit einem offenen und dezentralen Blockchain-System zu tun. In der Form einer privaten Blockchain-Lösung haben die Staatsbetriebe die volle Kontrolle. Dasselbe gilt für die intensiven Metaverse-Bemühungen des chinesischen Staates, die vermutlich vor allem auf die XR-Dimension setzen und nicht auf die Prinzipien einer offenen digitalen Wirtschaft.

Crypto: eher ein Graubereich als eine rote Linie

Neben einer neuen Offenheit für NFTs scheint das Interesse an fungiblen Kryptowährungen in China nicht zu verschwinden. Die Tatsache, dass Bitcoin-Mining in Prinzip illegal ist in China und dass auch Kryptobörsen dort nicht operieren dürfen, hält die Menschen nicht davon ab, Teil der Crypto-Ökonomie zu werden. Viele Chinesen handeln zum Beispiel weiter an ausländischen Kryptobörsen, was durch das Scheitern von FTX unterstrichen wurde. Aus Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die zweitgrößte Kundengruppe der gescheiterten Börse aus dem chinesischen Festland stammt.

Bitcoin-Mining findet ebenfalls weiterhin in China statt. Trotz Verbot und Abwanderung von Minern in die USA, Kasachstan und Russland bleibt China eines der größten Bitcoin-Mining-Länder. Die zuletzt verfügbaren Zahlen des vorangegangenen Jahres deuten darauf hin, dass noch immer ein zweistelliger Anteil der Hashrate vom Festland China stammen könnte.

Bitcoin-Nostalgie und volle Wallets in China

Obwohl China eine Autokratie ist, scheinen viele Chinesen nicht bereit zu sein, ihre wirtschaftlichen Freiheiten durch den Staat einschränken zu lassen. Die Frage ist, wie streng die Behörden gegen den Sektor wirklich vorgehen. Es scheint, dass die Bürger größtenteils unbehelligt bleiben, solange die Volumina nicht aus dem Ruder laufen. Der Besitz von Bitcoin ist für Privatanleger nicht zwangsläufig verboten.

Es müsste also immer noch viele Bitcoin-Millionäre, ergo Bitcoin-Whales, in China geben. China war schließlich der Treiber hinter der Ansiedlung von Bitcoin vor dem Kryptoverbot. Von Bitcoin-Mining bis Kryptohandel ging China der USA und Europa voraus. Dementsprechend müsste unter der Bevölkerung ein großes Interesse bestehen, künftig wieder vollständig legal an der Crypto-Ökonomie teilzunehmen.

Betrug, Kontrollverlust und Kapitalflucht

Die Gründe für das Kryptoverbot in China sind kein Geheimnis. Zunehmende Kapitalabflüsse der Renminbi in Infrastrukturen, die nicht staatlich kontrolliert werden können (darunter Bitcoin), waren der Hauptgrund für die Kommunistische Partei, ein Verbot auszusprechen. Zudem gab es während des ICO-Hypes 2017 unzählige Betrugs-Skandale und Pyramidenspiele, weshalb sie eine legitime Begründung hatten, Crypto hart anzugehen – unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes.

Angesichts zunehmender Aufsicht und Einführung des E-Yuan (CBDC) werden diese Argumente jedoch immer weniger wirksam. Solange der Staat die Geldbörse seiner Bürger kontrollieren kann und damit auch den Mittelabfluss regulieren kann, verlieren die genannten Aspekte ihr Bedrohungspotenzial.

Bitcoins-Verbot kostet Geld

In Zukunft wird es aus wirtschaftlicher Sicht wahrscheinlich teurer für den chinesischen Staat, Crypto weiterhin zu verbieten, als ein stark reguliertes Rahmenwerk für legale Kryptohandel zu schaffen. China will schließlich Nummer 1 der Wirtschaftsmächte werden. Das geht jedoch nur, wenn es an der Spitze der digitalen Wertschöpfung mitspielen kann.

Die neuen Steuervorschriften für Crypto sprechen ebenfalls für eine schrittweise Öffnung. So sollen Krypto-Einkünfte mit 20 Prozent Einkommensteuer belastet werden. Allein die Tatsache, dass Steuern auf Kryptowährungen entfallen, ist bereits positiv im Sinne einer Öffnung.

Wie geht es nun weiter?

Token ja, Blockchain nein. So könnte man die jüngsten Auseinandersetzungen mit der Crypto-Ökonomie in China beschreiben. Der digitale Renminbi, das digitale Geld der chinesischen Zentralbank, basiert nicht auf einer Blockchain, sondern auf einer zentralen Datenbankstruktur. Dieses Prinzip, das nur einzelne Eigenschaften der Blockchain nutzt, dürfte vorerst auch weiterhin gelten.

Doch der Tiefpunkt der Anti-Crypto-Politik scheint erreicht. Bessere staatliche Kontrollmöglichkeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Lockerung. Gezielte Öffnungen des Kryptomarkts könnten über spezielle Wirtschaftszone wie Hongkong erfolgen.

Kryptoverbot: Wie lange noch durchhaltbar?

Derzeit ist der Druck auf die Regierung vielleicht nicht allzu groß. In einem Bärenmarkt ist die Nachfrage nach Kryptowährungen begrenzt. Wenn jedoch eine neue Crypto-Welle mit kommerziell erfolgreichen Anwendungen in den USA und Europa losbricht, wird es der Kommunistischen Partei sehr schwerfallen, ihre Bevölkerung von der Entwicklung abzuschneiden und ihre Nachfrage nach Crypto zu ignorieren.

Entweder schafft es China, eine gleichwertige geschlossene Crypto-Industrie aufzubauen, so wie es bei Alibaba- oder Tencent-Gegenparts von Web2-Plattformen wie Amazon, Google etc. getan hat, oder es öffnet den Binnenmarkt für respektive ausländische und offene Blockchains. Das Verhalten der chinesischen Regierung bei der nächsten Crypto-Rally könnte daher viel darüber verraten, wie ernst sie das Crypto-Verbot nimmt.


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