OCC schickt Zerohash-Antrag für Trustbank zurück
Die Aufsichtsbehörde stuft die Unterlagen als unvollständig ein, während Zerohash auf einen neuen Antrag setzt. Der Schritt folgt auf frühere OCC-Genehmigungen unter anderem für Circle, Ripple und BitGo.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die OCC schickte Zerohash’ Antrag für eine US-Trustbank zurück, weil die Unterlagen materiell unvollständig waren.
- Zerohash will den Antrag erneut einreichen und sagt, dass die aktuellen Aktivitäten unter bestehenden Lizenzen weiterlaufen.
- Das Unternehmen steht zugleich wegen einer Klage über angebliche Compliance-Probleme und Lücken bei der Geldwäschebekämpfung unter Druck.
Zerohash hat seinen Antrag für eine US-Trustbank vom Office of the Comptroller of the Currency zurückerhalten, nachdem die Aufsichtsbehörde die Unterlagen als materiell unvollständig eingestuft hatte. Das Krypto-Unternehmen, das unter anderem die Backend-Infrastruktur für Morgan Stanley's E*Trade bereitstellt, sagt, es wolle den Antrag erneut einreichen und rechne mit einer schnellen Neubewertung.
Antrag von der OCC zurückgeschickt
Die Rücksendung ist keine inhaltliche Ablehnung, sondern ein administrativer Schritt, der laut OCC-Regeln erfolgt, wenn ein Antrag nicht alle erforderlichen Informationen enthält. Zerohash sagt, dass die Entscheidung keine Auswirkungen auf die aktuellen Aktivitäten hat, die unter bestehenden Lizenzen weiterlaufen.
Der Zeitpunkt ist auffällig, weil das Unternehmen im März noch einen Antrag gestellt hatte für eine National Trust Bank Charter. Im selben Zeitraum erhielten mehrere Krypto-bezogene Akteure gerade grünes Licht oder eine vorläufige Genehmigung von der US-Aufsichtsbehörde, darunter Circle, Ripple, Paxos, BitGo und Fidelity Digital Assets. Die OCC hat in den vergangenen Monaten deutlich häufiger Spielraum für Trustbanken geschaffen, die digitale Assets bedienen wollen, auch in einem Markt, der sich seit der Stablecoin-Gesetzgebung in den USA schneller institutionell aufstellt.
Größere Ambitionen, mehr Aufsicht
Laut Zerohash war der erste Antrag möglicherweise zu breit angelegt und umfasste eine Reihe von digitalen Asset- und Treuhanddiensten. Der nächste Versuch soll deshalb schrittweiser aufgebaut sein, beginnend mit einem enger gefassten Paket nationaler Trust-Aktivitäten, das besser zur geplanten Einführung passt.
Diese Entscheidung fügt sich in einen breiteren Trend ein, bei dem sich Krypto-Infrastrukturunternehmen immer häufiger dem traditionellen Bankrahmen annähern. Zerohash arbeitet bereits für Unternehmen wie BlackRock, Franklin Templeton, Stripe, Interactive Brokers und DraftKings, und das Unternehmen ist bereits eine staatlich zugelassene Trustbank. Für E*Trade wäre die Dienstleistung zudem nicht von einer bundesstaatlichen Charter abhängig. Auch andere Anbieter suchen inzwischen ein stärker reguliertes Profil; Wintermute erhielt kürzlich die SEC-Genehmigung, um in den USA Aktien, Optionen und ETF-Blöcke zu handeln.
Compliance bleibt ein sensibler Punkt
Gleichzeitig steht Zerohash wegen eines laufenden Konflikts mit dem ehemaligen Chief Compliance Officer Edgar Guerra unter besonderer Beobachtung. In einer Klage in Kalifornien behauptet er, er sei entlassen worden, um Compliance-Probleme zu vertuschen, darunter mehr als 200 erhebliche Lücken bei den Kontrollen rund um Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung. Ob die OCC diese Vorwürfe bei der Rücksendung des Antrags berücksichtigt hat, ist nicht klar.
Für europäische Krypto-Beobachter zeigt dieser Fall, wie eng Lizenzen, Compliance und institutionelle Adoption inzwischen miteinander verflochten sind. Gerade für Unternehmen, die Krypto-Infrastruktur für große Finanzinstitute bereitstellen, kann eine Trustbank-Charter nicht nur operativen Spielraum schaffen, sondern auch zu einem zusätzlichen Prüfstein für Governance und interne Kontrollen werden.