Alte Bitcoin-Wallets bewegen 40 Millionen Dollar nach Jahren der Stille
Galaxy Research sah 553,59 BTC aus sechs alten Wallets bewegt; fünf Transfers gingen an unbekannte Adressen, einer an Boerse Stuttgart Digital. Außerdem spielt in New York eine Klage rund um angeblich aufgegebene Bitcoin eine Rolle.

Wichtigste Erkenntnisse
- Sechs alte Bitcoin-Wallets haben zwischen dem 16. und 26. August zusammen 553,59 BTC bewegt, im Wert von rund 40 Millionen Dollar.
- Die meisten Coins gingen an Adressen ohne bekannte Exchange-Anbindung; eine Wallet schickte 40 BTC an Boerse Stuttgart Digital.
- Galaxy Research sieht gleichzeitig weniger Aktivität bei schlafenden Bitcoin, während nicht jede Bewegung auf einen Verkauf hindeutet.
Bitcoin-Wallets, die seit mehr als zehn Jahren still lagen, werden wieder aktiv. Zwischen dem 16. und 26. August bewegten sechs Wallets, die zuletzt zwischen 2011 und 2014 aktiv waren, zusammen 553,59 BTC im Wert von rund 40 Millionen Dollar (34,4 Millionen Euro), wie Daten von Galaxy Research zeigen. Eine dieser Wallets hatte sogar mehr als 15 Jahre lang keinen einzigen Coin bewegt.
Diese Bewegungen ziehen schnell Aufmerksamkeit auf sich, weil alte Bitcoin oft als Signal dafür gelten, dass frühe Halter ihre Positionen anpassen. Gleichzeitig bedeutet eine Transaktion auf der Blockchain nicht automatisch, dass verkauft wurde. Coins können auch an eine neue Wallet, einen Custodian oder eine andere Speicherlösung verschoben werden.
Aktivität bleibt niedrig
Auffällig ist, dass die breitere Aktivität schlafender Bitcoin zuletzt eher abgeflaut ist. Laut Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy Digital, sank die Menge an dormant Bitcoin, die onchain bewegt wurde, im zweiten Quartal auf den niedrigsten Stand seit dem dritten Quartal 2022. Galaxy zählt einen Coin als dormant, wenn er mindestens ein Jahr lang auf derselben Adresse gelegen hat.
Das folgt auf zwei außergewöhnlich aktive Jahre. In 2024 und 2025 bewegte sich alte Bitcoin auf Niveaus, die nur noch im Bullenmarkt von 2017 erreicht wurden. Galaxy bezeichnete diese Phase früher als große Distribution und erwartet, dass 2026 auf Kurs für weniger als die Hälfte der Bewegung des Vorjahres liegt.
Warum alte Coins bewegt werden
Nicht jede Verschiebung deutet auf einen Verkauf hin. Von den sechs Wallets schickten fünf ihre BTC an Adressen ohne bekannte Verbindung zu einer Krypto-Exchange. Die sechste verschob 40 BTC an Boerse Stuttgart Digital, einen deutschen Anbieter für Krypto-Custody und Handel.
Bei zwei Wallets spielt auch ein Rechtsstreit in New York eine Rolle. Dort versucht ein anonymer Kläger, Noah Doe, über das Gesetz zu verlorenen Gütern Kontrolle über Bitcoin aus 39.069 schlafenden Adressen zu erlangen. Die Kläger schickten kleine Beträge an diese Adressen, zusammen mit onchain-rechtlichen Mitteilungen, um zu argumentieren, dass die Coins als aufgegeben gelten können, wenn niemand Eigentum nachweist.
Auch Security bleibt ein Faktor. Nach der Schwachstelle in bestimmten Coldcard-Hardware-Wallets im Juli verschoben Nutzer laut früheren Onchain-Daten massenhaft Coins in neue Wallets oder in regulierte Verwahrung. Solche Vorfälle zeigen, dass alte Wallets nicht nur wegen Verkaufsdruck bewegt werden, sondern auch aus Vorsicht und wegen Umstrukturierungen.
Relevanz für Bitcoin-Halter
Für europäische Krypto-Leser ist das vor allem relevant, weil Bewegungen alter Wallets in einem Markt, der sensibel auf Signale großer Halter reagiert, oft zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen. Solche Transfers können die Diskussion über Custody, Security und die Frage anheizen, wer noch Zugang zu frühem Bitcoin hat. Gleichzeitig zeigt die Datenlage von Galaxy, dass nicht jede auffällige Transaktion in ein breiteres Muster massiver Verkäufe passt.
Die Bewegungen passen auch in einen breiteren Trend, in dem große Akteure ihre Verwahr- und Handelsinfrastruktur ausbauen. So kündigte Citi Bitcoin-Custody für institutionelle Kunden an, was zeigt, dass Verwahrung und Zugang zu BTC immer häufiger über regulierte Anbieter laufen.