Perpetual Futures kommen an die Wall Street, Banken bleiben abwartend
Kalshi und Coinbase bringen Perps in den USA unter Aufsicht der CFTC an den Start, während große Banken zunächst auf mehr Liquidität und Klarheit bei Futures- und Swap-Regeln warten.

Wichtigste Erkenntnisse
- Perpetual Futures wechseln auf regulierte US-Märkte, nachdem Kalshi und Coinbase die Zustimmung der CFTC erhalten haben.
- Kalshi kam im Juni innerhalb einer Woche auf mehr als 1 Milliarde Dollar Handelsvolumen mit seinen Perpetual Futures.
- Große Banken bleiben wegen Kapitalregeln, Compliance-Kosten, Clearing-Anforderungen und rechtlicher Unsicherheit vorerst zurückhaltend.
Perpetual Futures schaffen den Sprung auf regulierte US-amerikanische Märkte, während große Banken zunächst an der Seitenlinie bleiben. Die Kontrakte zählen seit Jahren zu den gefragtesten Produkten im Krypto-Bereich. Nun stellt sich für Wall Street die Frage, ob es sich nur um einen kurzfristigen Retail-Trend handelt oder um eine dauerhafte Verschiebung im Derivatehandel. Vor allem Handelsfirmen und Exchanges zeigen dabei wachsendes Interesse.
Schneller Start in den USA
Kalshi meldete im Juni innerhalb einer Woche ein Handelsvolumen von mehr als 1 $ Milliarde (0,9 € Milliarden) mit Perpetual Futures. Das war der stärkste Produktstart des Unternehmens seit den Prediction Markets. Anschließend beantragte die Exchange auch eine Genehmigung, um Perpetual Futures auf Gold und Silber anzubieten. Das deutet darauf hin, dass das Produkt möglicherweise über Bitcoin und andere digitale Assets hinaus eingesetzt werden könnte.
Perpetual Futures, oft einfach Perps genannt, funktionieren ähnlich wie klassische Futures, laufen aber ohne festes Enddatum. Statt monatlicher oder quartalsweiser Kontrakte nutzen sie Funding Payments, damit der Preis nahe am Basiswert bleibt. Die CFTC gab Kalshi am 29. Mai grünes Licht für das Angebot der Kontrakte, und auch Coinbase erhielt die Genehmigung, regulierte Perpetual Futures in den USA zu listen. Das passt zu einem breiteren Trend, bei dem Aufseher Märkte, die früher offshore lagen, schrittweise onshore holen.
Für Krypto ist die Struktur des Produkts nicht neu. 2016 führte BitMEX die ersten Cryptocurrency-Perpetual-Futures-Kontrakte ein. Damit konnten Händler Positionen unbegrenzt halten, ohne in einen neuen Kontrakt zu rollen. Laut Bank of America liegt das jährliche Handelsvolumen von Perpetual Futures inzwischen bei rund 90 $ Billionen (79 € Billionen).
Banken schauen weiter zu
Auf Wall Street bedeutet Interesse noch lange nicht, dass sofort große Marktstarts folgen. Laut Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind, werden Perps zwar häufiger diskutiert, auch weil US-Aufsichtsbehörden Märkte, die früher offshore waren, zunehmend onshore verlagern. Dennoch prüfen die meisten großen Finanzinstitute das Produkt bislang eher, statt bereits größere Budgets freizugeben.
Als erste dürften vor allem Proprietary Trading Firms, Market Maker und neue Clearing-Partner aktiv werden. Sie handeln mit eigenem Kapital und können neue Handelsplätze sowie operative Risiken schneller testen. Große Banken müssen sich dagegen mit strengeren Kapitalregeln, Pflichten gegenüber Kunden und Reputationsrisiken auseinandersetzen. Deshalb stehen die möglichen Erträge eines jungen Marktes für sie bislang oft nicht im Verhältnis zu den Kosten für Compliance, Clearing und Risikosysteme.
Das zeigt auch, warum der Begriff Wall Street hier mehrere Geschwindigkeiten beschreibt. Retail-Anleger und kleinere Marktteilnehmer kommen häufig zuerst, Market Maker folgen meist, sobald das Volumen zunimmt, und Banken wollen in der Regel erst über längere Zeit Daten sehen, bevor sie größere Summen binden.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Beobachter ist vor allem relevant, dass ein Produkt, das lange vor allem offshore gewachsen ist, nun unter US-Regeln getestet wird. Die Kombination aus reguliertem Zugang, institutioneller Zurückhaltung und einem Markt, der rund um die Uhr läuft, könnte auch beeinflussen, wie Derivate in der breiteren Krypto-Infrastruktur bewertet werden. Gleichzeitig zeigt die Debatte, dass Liquidität und eine klare Einordnung mindestens genauso wichtig bleiben wie die Frage, ob ein Produkt gefragt ist.
Die rechtliche Diskussion ist zudem noch nicht abgeschlossen. Ein zentraler Punkt ist, ob bestimmte Perpetual Contracts als Futures oder als Swaps behandelt werden müssen. Davon hängen Margin-Regeln, Registrierungspflichten und die Frage ab, wer Liquidität bereitstellen darf. Die CFTC hat bereits früher klargemacht, dass Perpetual Futures unter ihrer Zuständigkeit als Futures Contracts gelten können. Die konkrete Ausgestaltung bleibt aber umstritten, während Exchanges das Produkt auf Commodities, Aktien und andere Märkte ausweiten wollen. In dieser Debatte spielt auch die breitere US-Krypto-Gesetzgebung eine Rolle, darunter die Warnung der CFTC an Prediction Markets, Verträge je Produktvariante vollständig und sorgfältig einzureichen.
Vorläufig überwiegt an der Wall Street also Vorsicht. Handelsfirmen sehen ein Produkt, das sie gut einordnen können, Aufseher sehen einen Markt, der onshore kommt, und Exchanges sehen die Chance auf zusätzliches Volumen. Die größten Banken warten jedoch ab, bis Regeln, Liquidität und Infrastruktur weiter geklärt sind.