Finst

Polymarket passt Abwicklungsregeln nach Vorwürfen möglicher Manipulation an

Polymarket nutzt künftig über Chainlink Data Streams einen TWAP, um Last-Minute-Preisbewegungen bei Fünf-Minuten-, 15-Minuten- und Vier-Stunden-Märkten weniger stark zu gewichten.

Polymarket passt Abwicklungsregeln nach Vorwürfen möglicher Manipulation an

Wichtigste Erkenntnisse

  • Polymarket passt die Abwicklung seiner kurzen Krypto-Kontrakte nach Beschwerden über mögliche Manipulationen bei der Settlement-Phase an.
  • Statt eines einzelnen Preis-Snapshots setzt die Plattform künftig auf einen time-weighted average price, mit 30 Sekunden für Fünf-Minuten-Märkte und 60 Sekunden für 15 Minuten und vier Stunden.
  • Forschende identifizierten 821 Accounts, die möglicherweise von manipulierten Settlement-Fenstern profitierten, mit einem Gesamtgewinn von 8,2 Millionen US-Dollar.

Polymarket überarbeitet die Abwicklung seiner kurzen Krypto-Kontrakte nach monatelangen Beschwerden von Händlern und einer Untersuchung zu möglicher Manipulation rund um die Settlement-Phase. Die Prediction-Market-Plattform ersetzt dafür den bisherigen einzelnen Preis-Snapshot durch einen time-weighted average price, kurz TWAP, damit Bewegungen in den letzten Sekunden weniger stark auf das Ergebnis eines Kontrakts durchschlagen.

Neue Abwicklung

Nach Angaben von Polymarket erhalten Fünf-Minuten-Märkte künftig einen Durchschnitt über 30 Sekunden. Märkte mit einer Laufzeit von 15 Minuten und vier Stunden werden auf einen 60-Sekunden-Durchschnitt umgestellt. Die Preisdaten kommen dabei über Chainlink Data Streams, wie das Unternehmen mitteilte.

Auf X erklärte das Unternehmen, die Anpassung solle die Marktintegrität seiner Krypto-Up-Down-Märkte schützen. Um die Umstellung zu begleiten, stellt Polymarket im August außerdem 1 Million US-Dollar (0,9 Millionen Euro) an Liquidity Rewards für alle betroffenen Märkte bereit.

Auslöser ist eine Studie von Forschern der Stanford University und der Singapore Management University. Darin wurden 821 Accounts identifiziert, deren Verhalten nach Einschätzung der Autoren zu möglicher Manipulation in Settlement-Fenstern passt. Diese Accounts sollen in den von den Forschern als wahrscheinlich manipuliert eingestuften Zeiträumen zusammen 8,2 Millionen US-Dollar (7,1 Millionen Euro) verdient haben.

Was die Untersuchung gezeigt hat

Die Forschenden analysierten rund zwei Monate an Fünf-Minuten-Kontrakten auf Bitcoin. Dabei fielen ihnen auffällig große Orders auf Binance in den letzten Sekunden vor der Abwicklung auf, gefolgt von schnellen Kursumkehrungen bei Bitcoin.

Die Studie belegt allerdings nicht, dass die Absicht dieser Trader manipulativ war. Ebenso wurde nicht direkt festgestellt, dass die Spot-Orders von denselben Personen stammten wie die Positionen auf Polymarket. Die Autoren schrieben jedoch, dass außerhalb von Market Makern 93 Prozent der Verluste in als manipuliert eingestuften Fenstern auf Retail-Trader entfielen.

Nach Einschätzung der Forschenden liegt die Schwachstelle im System selbst: Wenn ein Kontrakt auf Basis eines Marktpreises abgerechnet wird, kann dieser Preis durch Bewegungen im zugrunde liegenden Markt beeinflusst werden. Für europäische Krypto-Leser ist das vor allem deshalb relevant, weil es zeigt, wie anfällig kurze Prediction Markets für Liquidität und Orderflow in den letzten Sekunden vor der Abwicklung sein können.

Breiteres Debatte rund um Prediction Markets

Die Diskussion ist nicht auf Polymarket beschränkt. Auch bei Kalshi wurde bereits über ähnliche Risiken diskutiert, wobei die Plattform nach eigenen Angaben ihre Märkte über einen regulierten CF Benchmarks-Preisindex abwickelt und verdächtige Aktivitäten leichter prüfen kann, weil alle Trader verifiziert sind.

Polymarket selbst agiert international weitgehend ohne klassische Aufsichtsstruktur, nutzt USDC auf der Polygon-Blockchain und verzichtet beim Trading auf KYC. Gerade deshalb dürfte der neue TWAP-Ansatz an Bedeutung gewinnen, zumal Prediction Markets nach früheren Eingriffen von Aufsichtsbehörden, darunter der CFTC in den Vereinigten Staaten, zunehmend unter Beobachtung stehen.


Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine finanzielle, anlagebezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen können unvollständig, ungenau oder veraltet sein und sollten nicht als solche herangezogen werden. Nichts auf dieser Website sollte als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Kryptowährungen angesehen werden. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Verlustrisiken verbunden.