SEC einigt sich mit Coinbase im Streit um verschwundene Gensler-Nachrichten
Die Einigung folgt auf einen FOIA-Streit um SEC-Dokumente zu Ethereum und frühere Ermittlungen gegen Coinbase, Binance und Ripple. Die verschwundenen Gensler-Nachrichten bleiben ein sensibles Thema in der Debatte über die Transparenz der US-Aufsichtsbehörde.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die SEC einigt sich in einem FOIA-Verfahren zu Ethereum-Dokumenten und übernimmt 150.000 Dollar an Anwaltskosten.
- Im Mittelpunkt stehen Informationsanfragen von Coinbase über History Associates zu SEC-Untersuchungen und zu Ethereums Wechsel zu Proof-of-Stake.
- Verschwundene Gensler-Nachrichten und gelöschte Telefone von Spitzenbeamten haben die Debatte über Transparenz und Durchsetzung im Krypto-Bereich weiter verschärft.
Die amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) hat sich in einem FOIA-Verfahren um Unterlagen zu Ethereum geeinigt und zahlt 150.000 Dollar (131.700 €) an Anwaltskosten. Damit endet ein lang laufender Informationsstreit, in dem Coinbase über ein Recherchebüro versucht hatte, Einblick in die interne Kommunikation der Behörde zu Ethereum und weiteren Krypto-Untersuchungen zu bekommen.
Fall zu Ethereum-Dokumenten
Laut dem gemeinsamen Schriftsatz vom 22. Juli wollen die SEC und History Associates Inc. das Verfahren beenden, sobald die Aufsichtsbehörde die noch ausstehenden relevanten Dokumente übermittelt hat. Das Büro handelte im Auftrag von Coinbase und hatte 2023 drei Anträge nach dem Informationsfreiheitsgesetz gestellt. Dabei ging es um SEC-Untersuchungen zu Zachary Coburn und Enigma MPC sowie um Unterlagen zum Wechsel von Ethereum von Proof-of-Work zu Proof-of-Stake.
Ein Gericht in Washington hatte die SEC zuvor angewiesen, allen Dokumenten und der Kommunikation des damaligen Vorsitzenden Gary Gensler zu diesem Wechsel Vorrang einzuräumen. Dadurch musste die Behörde Tausende Unterlagen herausgeben, was den Fall deutlich über einen üblichen FOIA-Streit hinaus ausweitete.
Verschwundene Nachrichten unter Druck
Eine neue Wendung nahm das Verfahren im September 2025, als der Generalinspekteur der SEC mitteilte, dass Textnachrichten von Gensler aus dem Zeitraum von Oktober 2022 bis September 2023 versehentlich gelöscht worden seien. Später wurde bekannt, dass die Aufsichtsbehörde 21 Telefone von Spitzenbeamten gelöscht hatte, darunter fünf Geräte von Mitarbeitern, die auch im Coinbase-Fall eine zentrale Rolle spielten. Die SEC meldete die gelöschten Telefone im Juli 2025 an das National Archives.
Der Zeitraum fällt mit mehreren harten Durchsetzungsmaßnahmen der SEC gegen große Krypto-Plattformen zusammen, darunter Binance, Coinbase und Ripple. Genau deshalb gilt die verschwundene Kommunikation als heikel: Es geht nicht nur um Archivierung, sondern auch um die Frage, wie transparent die Behörde in einer entscheidenden Phase für den Kryptomarkt agiert hat. Die Debatte läuft auch in Washington weiter, wo die SEC an neuen Krypto-Regeln arbeitet und versucht, Durchsetzung und klarere Marktregeln besser auszubalancieren.
Brian Armstrong, CEO von Coinbase, stellte die Einigung in den sozialen Medien in einen Zusammenhang mit einem anderen Fall rund um angeblich zurückgehaltene Beweise während der Bankenkrise von 2023. Nach seiner Darstellung zeigen die verschwundenen Gensler-Nachrichten und die Transparenzdebatte, dass es mehr Rechenschaftspflicht von der Regierung brauche.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Beobachter ist das vor allem deshalb relevant, weil US-Aufsichtsbehörden weiterhin erheblichen Einfluss auf die weltweite Regulierung von Krypto haben. Der Fall zeigt, wie eng Durchsetzung, Dokumentation und Archivierung miteinander verbunden sind, wenn eine Behörde sich mit großen Tokens und Plattformen befasst. Für international aktive Unternehmen kann das auch ein Hinweis darauf sein, wie wichtig Gerichtsverfahren und Informationsanfragen im breiteren Aufsicht über Krypto sind.