Angst vor Fed-Zinserhöhung im September wirkt übertrieben
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September liegt bei rund 58 %, während Marktbeobachter vor einer möglicherweise übertriebenen Reaktion auf Warsh warnen.

Kurz zusammengefasst
- Der Markt beziffert die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im September auf rund 58 %.
- Die Erwartung stieg nach der restriktiven Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole schnell an.
- Marktbeobachter wie Mohamed El-Erian halten die aktuellen Zinserwartungen möglicherweise weiterhin für zu aggressiv.
Die Sorge vor einer Zinserhöhung der Federal Reserve im September scheint größer zu sein, als es die aktuellen Marktdaten rechtfertigen. Nach der restriktiven Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole stieg die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung schnell an, liegt aber weiterhin bei rund 58 %. Eine Erhöhung ist damit wahrscheinlicher geworden, aber keineswegs sicher.
Markt reagiert stark auf Warsh
Warsh legte während seiner Rede großen Wert auf das Thema Inflation und warnte davor, dass der Preisdruck noch nicht ausreichend unter Kontrolle sei. Diese Botschaft führte nahezu unmittelbar zu einer Neubewertung am Zinsmarkt.
Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen stieg nach seinen Aussagen, während der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von rund 35 % auf etwa 60 % anhob. Bitcoin fiel bei der ersten Reaktion unter 78.000 $, während auch mehrere kryptobezogene Aktien unter Druck gerieten.
Eine Wahrscheinlichkeit von 58 % bedeutet jedoch nicht, dass der Markt nahezu sicher mit einer Zinserhöhung rechnet. Die aktuelle Preisbildung zeigt vielmehr, dass Anleger über den Ausgang der Fed-Sitzung im September weiterhin stark geteilter Meinung sind.
El-Erian hält Erwartungen für zu hoch
Mohamed El-Erian, ehemaliger Chef des Anleihemanagers Pimco, äußerte Zweifel an der schnellen Verschiebung der Zinserwartungen. Seiner Einschätzung nach könnte selbst eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 % noch zu hoch sein.
Seine Zurückhaltung ist besonders relevant, weil vor der nächsten Fed-Sitzung noch wichtige Wirtschaftsdaten veröffentlicht werden. Neue Inflations- und Arbeitsmarktdaten könnten die Erwartungen erneut verändern, bevor die Entscheidung der Notenbank fällt.
Die aktuelle Marktbewertung ist daher vor allem eine Momentaufnahme. Eine restriktive Rede kann die Erwartungen schnell verschieben, die endgültige Zinsentscheidung hängt jedoch von mehreren Wirtschaftsdaten ab, die noch veröffentlicht werden müssen.
Bitcoin bleibt sensibel für Zinserwartungen
Die Erwartungen an die Federal Reserve bleiben für Bitcoin wichtig, da höhere Zinsen für risikoreichere Anlagen in der Regel weniger günstig sind. Als die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am Freitag zunahm, fiel Bitcoin im Tagesverlauf unter 78.000 $. Später konnte BTC einen Teil der Verluste wieder aufholen.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Marktlage, dass die Unsicherheit weiterhin groß ist. Eine Wahrscheinlichkeit von 58 % bedeutet, dass eine Zinserhöhung zwar als etwas wahrscheinlicher gilt als unveränderte Zinsen, beide Szenarien aber weiterhin realistisch sind.
Für den Kryptomarkt könnten die kommenden US-Inflations- und Arbeitsmarktdaten daher mindestens ebenso wichtig werden wie Warshs Rede selbst. Neue Daten könnten die Zinserwartungen vor der Fed-Sitzung im September erneut deutlich verschieben.