Tokenisierte Assets übernehmen die Führung bei Krypto-Börsen
Auf großen zentralisierten Börsen steigt die Nachfrage nach tokenisierten Real-World Assets, während Meme Coins und GameFi an Boden verlieren. Auch BlackRock, Franklin Templeton und JPMorgan sind in diesem Trend aktiv.

Wichtigste Erkenntnisse
- Tokenisierte Assets machten in H1 2026 fast 19 % aller neuen Listings auf großen zentralisierten Börsen aus.
- Meme-Coin-Listings gingen sechs Quartale in Folge zurück und lagen in Q2 2026 bei 41.
- Börsen wählen immer selektiver aus und geben Tokens mit nachweisbarem Nutzen und echten Assets mehr Raum.
Tokenisierte Assets waren in der ersten Hälfte von 2026 die größte Listing-Kategorie auf großen zentralisierten Börsen. Laut CryptoRank entfiel fast jedes fünfte neue Listing auf diese Kategorie. Das spricht dafür, dass sich der Markt zunehmend von reiner Spekulation hin zu Tokens bewegt, die an reale Assets gekoppelt sind.
Tokenisierte Assets gewinnen an Boden
CryptoRank hat dafür 10.110 Listings und 4.005 Delistings auf 10 großen Börsen ausgewertet. Da zentralisierte Plattformen weiterhin mehr als 88 % des Handelsvolumens im Krypto-Bereich abwickeln, ist ihre Listing-Politik ein wichtiger Indikator für den breiteren Markt.
Besonders deutlich wird der Trend daran, wie stark tokenisierte Assets zugelegt haben. 2025 lag ihr Anteil an den neuen Listings noch unter 7 %, in H1 2026 stieg er auf fast 19 %. Getrieben wurde diese Entwicklung vor allem von einigen Emittenten wie xStocks, bStocks und Ondo. Das passt zu einem breiteren Muster, bei dem klassische Finanzprodukte immer häufiger als Tokens auf öffentlichen Blockchains abgebildet werden. Auch auf den Handelsplattformen selbst zeigt sich diese Verschiebung bereits: tokenisierte Aktien haben in kurzer Zeit bereits mehr als 100 $ Millionen (87,5 € Millionen) an Kapital angezogen.
Auch große Finanzinstitute sind in diesem Bereich aktiv. BlackRock, Franklin Templeton und JPMorgan haben sich in den vergangenen Monaten unter anderem mit der Tokenisierung von Real-World Assets beschäftigt, darunter US-Staatsanleihen und Private-Equity-Fonds.
Meme Coins geraten ins Hintertreffen
Auf der anderen Seite des Marktes hat das spekulative Segment sichtbar an Gewicht verloren. Die Zahl der Meme-Coin-Listings sank sechs Quartale in Folge. Während die Börsen in Q4 2024 noch 196 Meme Coins gelistet hatten, waren es in Q2 2026 nur noch 41. Das entspricht einem Rückgang um 79 % und dem niedrigsten Stand seit Q3 2023.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei GameFi. Die neuen Listings in dieser Kategorie fielen vom Höchststand in Q2 2024 um 84 % auf 15 in Q2 2026. Auch bei den Delistings wird die strengere Auswahl der Börsen sichtbar: Gate entfernte in H1 2026 insgesamt 573 Tokens, was fast 60 % des Gesamtwerts ausmachte. OKX nahm im selben Zeitraum keine Tokens vom Handel.
Die Daten deuten insgesamt auf eine selektivere Listing-Politik hin. Börsen scheinen stärker auf Projekte mit nachweisbarem Nutzen zu achten und kurzfristigem Hype weniger Raum zu geben. Offen bleibt allerdings, ob tokenisierte Assets dauerhaft genug Liquidität aufbauen können, denn viele dieser RWAs weisen bislang nur begrenzte Handelsvolumina und eine eher kleine Anlegerbasis auf.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Leser ist das relevant, weil es zeigt, wie Börsen ihr Angebot zunehmend in Richtung Produkte ausrichten, die näher an traditionellen Märkten liegen. Das könnte wichtig dafür sein, wie Krypto, Aktien und andere Anlageinstrumente künftig in derselben Handelsinfrastruktur zusammenkommen. Gleichzeitig macht die begrenzte Liquidität vieler tokenisierter RWAs deutlich, dass es bei der Marktinfrastruktur und bei mehr regulatorischer Klarheit noch weiteren Fortschritt braucht.