Warum im September eine neue Bitcoin-Verkaufsknick droht
Statistisch gesehen ist September der schlechteste Monat für Bitcoin.

Statistisch gesehen ist September der schlechteste Monat für Bitcoin. Was verursacht das Septembereffekt?
Es ist jetzt offiziell: Der Schlusskurs von August für Bitcoin liegt bei 25.932 USD. Das bedeutet, dass die Kryptowährung nach einem guten Start ins Jahr 2023 mit 11 Prozent Verlustrate ein zweistelliges Kursminus verzeichnet.
Aber ist das erst der Anfang? Blickt man auf die historisch schlechten Leistungen im Monat September, muss man feststellen: Die Chance auf eine Trendwende ist gering. Risikoreiche Anlagen wie Tech-Aktien oder Bitcoin schnitten im September ohnehin schlechter ab als in jedem anderen Monat – so die gängige Erzählung.
Aber stimmt das wirklich? Und wie sollten Anleger sich jetzt verhalten?
Tatsächlich zeichnen die Daten ein klares Bild: In keinem anderen Monat performt BTC so schwach wie im September. Laut bitcoinmonthlyreturn hat die Nummer-1- Kryptowährung seit ihrer Entstehung im Jahr 2009 im Durchschnitt 4,67 Prozent verloren. Auf dem Höchststand büßte Bitcoin innerhalb eines Monats sogar mehr als 37 Prozent seines Wertes ein. Zugegeben: Dieses Tiefpunkt wurde 2011 erreicht – also in den volatilen Anfangsjahren der Kryptowährung.

Dennoch hat das digitale Gold in nur vier von zwölf September-Monaten in der Geschichte von Bitcoin ein grünes Zeichen für seine monatliche Performance gesetzt. Das liegt im Einklang mit dem allgemeinen negativen Trend bei risikoreichen Anlagen.
Das sogenannte Septembereffekt ist unter Wertpapierhändlern berüchtigt. In den letzten 100 Jahren hat kein anderer Börsenmonat schlechter abgeschnitten. Im Durchschnitt verlieren die Aktienkurse des S&P 500 etwa 1 Prozent im ersten Herbstmonat. Was ist der Grund dafür?
Woher kommt der Septembereffekt?
Es gibt mehrere kausale Erklärungen für den Septembereffekt. Einerseits gehen Marktbeobachter davon aus, dass Anleger nach ihrem Sommerurlaub zurück an den Aktienmarkt kehren – und Verluste verzeichnen. Diese können am Jahresende steuerlich geltend gemacht werden. Außerdem würden Schuldgeld-Rechnungen fällig, was zu weiteren Verkäufen führt.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass ein psychologischer Zusammenhang besteht. Der Septembereffekt ist zu einer so eingebürgerten Erscheinung geworden, dass Anleger schon jetzt Positionen liquidieren, um dem Septembereffekt zuvorzukommen.
Der Monatsanfang würdigt den Septembereffekt sogar noch stärker. Zu Beginn des neuen Kalendermonats steht BTC 4,6 Prozent niedriger als am Vortag. Zum Redaktionszeitpunkt wird die Kryptowährung bei rund 25.960 US-Dollar gehandelt.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Dennoch bleiben Marktbeobachter wie Samir Kerbage, CIO bei Hashdex, optimistisch.
Obwohl September historisch gesehen ein schwieriger Monat für Bitcoin ist, mit negativen Renditen in neun der letzten zwölf Fälle, könnte September 2023 eine Ausnahme von diesem Trend sein. Jüngste juristische Entwicklungen bei der US-Börsenaufsicht SEC – wie die ETF-Anmeldung von BlackRock Ende Juni und das jüngste positive Urteil für Grayscale – haben dem Markt neues Momentum gegeben.
Auf der anderen Seite wird die Hoffnung auf eine rasche Genehmigung eines Bitcoin Spot-ETFs von neuen Vorschlägen der SEC gedämpft. Die zuständige Aufsichtsbehörde, die SEC, hat die Entscheidungspflicht auf Mitte Oktober verschoben.
Trotzdem sehen die Aussichten für Bitcoin nicht so schlecht aus. Kürzlich hat ein amerikanisches Berufungsgericht Grayscale Recht gegeben. Das Unternehmen möchte auch seinen GBTC Bitcoin Trust in einen ETF umwandeln. Die SEC hätte das nicht einfach ablehnen dürfen, urteilte der Richter.
"Die Entscheidung bringt Bewegung in die Diskussion um die Bitcoin-ETF-Genehmigung, und wir glauben, dass dies, zusammen mit neuen Anträgen, die regulatorische Debatte in die nächste Phase bringen wird", sagt Kerbage in einem Interview mit dem News-Portal BTC-ECHO.
Disclaimer: Letztlich ist der Septembereffekt eine statistische Anomalie. Frühere Ergebnisse dürfen keine Grundlage für Vorhersagen bilden.