Bitcoin hält sich um 65.000 US-Dollar, doch der nächste Test rückt näher
Bitcoin pendelt weiter um 65.000 US-Dollar, während Händler auf die Fed, die US-Inflation und Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs schauen. Ethereum steigt derweil auf den höchsten Stand seit fast zwei Monaten.

Wichtigste Erkenntnisse
- Bitcoin hielt sich am Montag um 65.000 US-Dollar und lag damit rund 4 % über Freitag, während Ethereum auf den höchsten Stand seit fast zwei Monaten kletterte.
- Marktstrategen sehen 67.300 US-Dollar als nächste wichtige Widerstandsmarke für Bitcoin; darüber könnte die Seitwärtsphase seit Juni durchbrochen werden.
- Nansen warnt vor einem möglichen Rückgang auf 52.000 bis 58.000 US-Dollar, falls sich Makrodaten, ETF-Zuflüsse und Kaufkraft nicht verbessern.
Bitcoin und der breitere Kryptomarkt zeigten sich am Montag vergleichsweise robust, obwohl KI-bezogene Tech-Aktien unter Druck standen. BTC notierte bei rund 65.000 US-Dollar (57.100 €) und damit etwa 4 % über dem Freitagsschluss. Ethereum stieg zugleich auf den höchsten Stand seit fast zwei Monaten. Offen bleibt, ob diese Stärke für einen Ausbruch reicht oder ob der Markt zunächst noch einmal in Richtung der Juni-Tiefs zurücksetzt.
Der Markt bleibt in einer engen Spanne
Nach Einschätzung von Marktstrategen bewegt sich Bitcoin weiterhin in einer engen Handelsspanne, die sich seit Wochen hält. Joel Kruger von LMAX Group wertet die jüngste Stärke von Krypto in einem unruhigen Marktumfeld als ermutigendes Signal, weil sich digitale Assets damit zumindest teilweise von klassischen Risikoanlagen abzukoppeln scheinen.
Trotzdem bleibt die Hürde hoch. Kruger sieht 67.300 US-Dollar (59.100 €) als nächste relevante Marke für Bitcoin. Erst oberhalb dieses Niveaus könnte der Markt seiner Einschätzung nach die Seitwärtsphase verlassen, die den Kurs seit Juni begrenzt. Ethereum steht derweil vor einem ähnlichen Test bei rund 2.000 US-Dollar (1.760 €).
Tom Lee, Chairman von Bitmine und Mitgründer von Fundstrat, verwies zudem auf die jüngste Outperformance von ETH gegenüber BTC. Das ETH-BTC-Verhältnis erreichte am Montag sogar den höchsten Stand seit drei Monaten, was er als positives Signal für den Kryptomarkt einordnet.
Makrodaten könnten den Ton angeben
In den kommenden Tagen dürfte vor allem das makroökonomische Umfeld den Takt vorgeben. Die Federal Reserve veröffentlicht in dieser Woche ihren Zinsentscheid, gefolgt von wichtigen US-Inflationsdaten, BIP-Zahlen und Quartalsberichten großer Tech-Konzerne wie Microsoft, Meta, Apple und Amazon. Hinzu kommt am Freitag ein Bitcoin- und Ether-Optionsverfall im Umfang von grob 13 Milliarden US-Dollar (11,4 € Milliarden) bis 14 Milliarden US-Dollar (12,3 € Milliarden).
Das passt zum Bild am Derivatemarkt, wo Bitcoin-Optionshändler ihre Absicherungen zurückfahren, während sich Anleger auf die Fed-Entscheidung vorbereiten. Weniger Abwärtsschutz spricht dafür, dass Händler für diese Woche eher mit einer ruhigen Entwicklung als mit einem größeren Schock rechnen.
Nicolai Sondergaard, Senior Research Analyst bei Nansen, bleibt dennoch vorsichtig. Seiner Einschätzung nach fehlt der jüngsten Erholung die Kaufkraft, die normalerweise einer nachhaltigen Rally vorausgeht. Sein Basisszenario bleibt ein Rückgang in Richtung 52.000 US-Dollar (45.700 €) bis 58.000 US-Dollar (50.900 €), falls sich die Marktbedingungen nicht verbessern.
Auch das technische Bild passt zu dieser Vorsicht. Bitcoin stieß in früheren Phasen bereits mehrfach an der Marke von 70.000 US-Dollar (61.500 €) auf Widerstand, bevor der Kurs wieder in die Zone um 65.000 US-Dollar (57.100 €) bis 66.000 US-Dollar (58.000 €) zurückfiel. Ein Bruch unter diesen Bereich könnte den Blick auf 62.000 US-Dollar (54.400 €) und 60.000 US-Dollar (52.700 €) lenken, Niveaus, die Händler häufig als wichtige Unterstützung ansehen.
Was Nansen sehen will
Für ein konstruktiveres Bild achtet Sondergaard vor allem auf drei Signale: stärkere Stablecoin-Zuflüsse zu Börsen, anhaltende Spot-Bitcoin-ETF-Käufe und Hinweise darauf, dass Langfristhalter nicht mehr mit Verlust verkaufen. Solange diese Faktoren ausbleiben, stuft Nansen die aktuelle Erholung eher als Positionsbewegung ein und nicht als Beginn eines breiteren Aufwärtstrends.
Für europäische Krypto-Leser ist das relevant, weil der Markt in dieser Woche nicht nur auf Bitcoin selbst reagiert, sondern auch auf Makrodaten und institutionelle Geldströme. Genau diese Kombination dürfte zeigen, ob die jüngste Stabilität von Krypto mehr ist als nur eine kurze Erholung in einem nervösen Risikomarkt.