Bitcoin bei rund 62.000 Dollar, RHODL-Kompression deutet auf Rotation hin
Glassnode sieht über die RHODL-Ratio eine mögliche Rotation von alten zu neuen Bitcoin-Haltern, während der Markt bei rund 60.000 bis 80.000 Dollar festhängt. Die Fed-Politik bleibt dabei ein wichtiges Risiko.

Wichtigste Erkenntnisse
- Bitcoin notiert bei rund 62.000 Dollar und bewegt sich seit fünf Monaten seitwärts zwischen 60.000 und 80.000 Dollar.
- Die RHODL-Ratio ist von 6,5 auf unter 6 gefallen, was auf eine schrittweise Übertragung von Supply hindeutet.
- Die Federal Reserve bleibt ein Risiko, weil der Markt in den kommenden sechs Monaten 50 Basispunkte an Straffung einpreist.
Bitcoin liegt aktuell bei rund 62.000 Dollar (54.300 Euro) und damit weiterhin etwa 50 Prozent unter dem Allzeithoch vom Oktober 2025 bei rund 124.000 Dollar (108.500 Euro). Seit fünf Monaten pendelt der Kurs in einer engen Spanne zwischen 60.000 Dollar (52.500 Euro) und 80.000 Dollar (70.000 Euro), während der Kryptomarkt insgesamt ungewöhnlich ruhig wirkt. Ein viel beachteter Onchain-Indikator deutet jedoch darauf hin, dass sich unter dieser Oberfläche eine größere Rotation abspielen könnte.
RHODL-Ratio sinkt weiter
Die RHODL-Ratio von Glassnode vergleicht den Wert von Coins, die erst kürzlich bewegt wurden, mit dem von Coins, die schon länger unberührt sind. Anfang Juli erreichte die Kennzahl 6,5 und damit den zweithöchsten Wert in Bitcoins Geschichte. Seitdem ist sie auf unter 6 zurückgegangen, obwohl der Kurs nicht eingebrochen ist, sondern vor allem seitwärts tendiert.
Das unterscheidet die aktuelle Phase deutlich von 2022. Damals fiel die Ratio zusammen mit dem Kurs im Zuge des FTX-Crashs, und Bitcoin rutschte in Richtung 15.000 Dollar (13.100 Euro). Jetzt spricht vieles eher für eine allmähliche Verschiebung von Supply: Langfristige Halter, die 2023 und 2024 aufgebaut haben, geben offenbar teilweise an neue Käufer ab, die das aktuelle Preisniveau attraktiv finden. Im Wyckoff-Sinn passt das zu einer Distributionsphase, in der erfahrene Marktteilnehmer Positionen abbauen, während frisches Kapital in den Markt fließt. Auch die jüngste Entwicklung bei den Langfrist-Haltern fügt sich in dieses Bild ein, nachdem sie nach einer Verkaufsserie auf dem aktuellen Niveau wieder netto mit dem Akkumulieren begonnen haben.
Glassnode setzt die RHODL-Ratio als Zyklusindikator ein. Verglichen wird dabei der realisierte Wert von Coins, die in der vergangenen Woche bewegt wurden, mit dem von Coins, die ein bis zwei Jahre gehalten wurden. Ein steigendes oder fallendes Verhältnis erklärt zwar nicht allein die Marktrichtung, kann aber Hinweise darauf geben, ob eher ältere Bestände oder neuere Zuflüsse den Takt vorgeben.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem relevant, dass eine längere Konsolidierung nicht automatisch bedeutet, dass der Trend bereits ausgereizt ist. Auch frühere Phasen rund um die Tiefs von 2015, 2019 und 2023 gingen einer klaren Wende voraus, nachdem sich die RHODL-Ratio zunächst zusammengezogen hatte. Genau deshalb dürfte die aktuelle Lage für alle interessant sein, die Onchain-Daten als zusätzliche Einordnung neben der Kursentwicklung nutzen.
Fed bleibt Risiko für Bitcoin
Gleichzeitig bleibt das makroökonomische Umfeld ein Belastungsfaktor für den Markt. Derzeit preist er für die kommenden sechs Monate 50 Basispunkte an Straffung durch die Federal Reserve ein. Eine Zinserhöhung könnte damit weiterhin als möglicher Auslöser für einen weiteren Rückgang wirken, auch wenn sich das auf Basis der aktuellen Daten noch nicht sicher ableiten lässt.