Fed-Entscheidung belastet den Nasdaq stärker als Bitcoin
Analysten sehen Bitcoin weniger empfindlich gegenüber der Fed als Nasdaq und KI-Aktien. Der Markt rechnet vor allem mit einer Zinspause, trotz des unsicheren Tons rund um Vorsitzenden Kevin Warsh.

Wichtigste Erkenntnisse
- Anleger gehen davon aus, dass die Federal Reserve den Leitzins am Mittwoch wahrscheinlich unverändert lässt, auch wenn eine Erhöhung weiter möglich ist.
- Bitcoin hielt sich im Juli vergleichsweise stabil bei rund 64.000 $, während KI- und Halbleiteraktien unter Druck gerieten.
- Analysten sehen dadurch eine geringere Korrelation zwischen Bitcoin und klassischen Risiko-Assets, weshalb die Fed-Entscheidung BTC womöglich weniger stark beeinflusst.
Vor dem Zinsentscheid der Federal Reserve am Mittwoch sind Anleger uneins. Analysten gehen jedoch davon aus, dass Bitcoin robuster reagieren dürfte als KI-Aktien. Während die Kryptowährung am Dienstag nach einem Intraday-Rücksetzer um 64.000 $ (56.300 €) pendelte, gerieten Chiphersteller und andere KI-Werte im Vorfeld einer der unsichersten Fed-Sitzungen seit Jahren erneut unter Druck.
Der Markt rechnet mit Stillstand
Nach Daten von CME FedWatch preist der Markt derzeit mit 70 Prozent ein, dass die Fed den Leitzins unverändert lässt. Für eine überraschende Anhebung um 25 Basispunkte werden 30 Prozent angesetzt. Zur Unsicherheit trägt auch bei, dass Vorsitzender Kevin Warsh weniger auf Forward Guidance setzt und Anleger damit nur begrenzt Orientierung für den nächsten Schritt der Notenbank erhalten.
Thahbib Rahman, Research Analyst bei Block Scholes, bezeichnete die Sitzung als Warshs zweite als Fed-Vorsitzender und zugleich als eine der unklarsten seit Jahren. Nach seiner Einschätzung gab es seit 2015 nur zwei Fed-Sitzungen, bei denen die Markterwartungen ähnlich weit auseinanderlagen.
Bitcoin hält sich besser
Trotz des unsicheren Umfelds zeigte sich Bitcoin im Juli weitgehend stabil, während Halbleiteraktien und andere KI-getriebene Titel unter Druck standen. Das passt zu dem Bild, dass die Korrelation zwischen Bitcoin und klassischen Risiko-Assets abnimmt, wie auch K33 Research in einem Bericht vom Dienstag festhielt.
Vetle Lunde, Research-Leiter bei K33, schrieb, der Nasdaq sei mit starkem Momentum und einer zunehmend angespannten Positionierung in den Juli gestartet, während BTC eher in der Nähe mehrjähriger Tiefs konsolidiere. Deshalb könnte diese FOMC-Entscheidung für Bitcoin weniger Folgen haben als in früheren Phasen erhöhter geldpolitischer Unsicherheit.
Auch am Derivatemarkt deutet vieles auf ein ruhigeres Szenario hin: Bitcoin-Optionshändler bauen Absicherungen vor dem Fed-Beschluss ab. Das spricht dafür, dass Anleger derzeit weniger Schutz gegen stärkere Kursrückgänge suchen.
Bedeutung für Europa
Für europäische Kryptonutzer ist das vor allem deshalb relevant, weil Bitcoin sich offenbar zunehmend anders entwickelt als der breitere Tech-Handel. Schlägt die Fed einen hawkishen Ton an, kann das über höhere Zinsen und einen stärkeren Dollar weiterhin Druck auf risikoreiche Assets ausüben. Die jüngste Kursentwicklung deutet jedoch darauf hin, dass Bitcoin darauf nicht mehr immer im gleichen Maß reagiert.
Rahman verwies zudem darauf, dass sich die Markterwartungen im vergangenen Monat wegen schwächerer Inflationsdaten, geopolitischer Spannungen, höherer Ölpreise und Zollrisiken spürbar verschoben haben. Dennoch hat sich die Stimmung rund um Krypto verbessert. Nach seiner Einschätzung könnte alles, was auch nur leicht dovish von Warsh klingt, die jüngste Outperformance von BTC verlängern.