IWF warnt vor Risiken rund um tokenisierte Aktien
Der IWF sieht tokenisierte US-Aktien wie Tesla und Nvidia vor allem als frühe Preissignale, warnt aber vor mehr Volatilität und geringerer Liquidität als an traditionellen Börsen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Der IWF sieht tokenisierte Aktien wegen des 24/7-Handels und niedriger Einstiegssummen als attraktiv an, weist aber auf mehr Volatilität und geringere Liquidität hin.
- Mehr als die Hälfte des Handels mit untersuchten tokenisierten US-Aktien fand außerhalb der Börsenzeiten statt, und 80% der Transaktionen waren kleiner als eine Aktie.
- Der IWF warnt, dass Tokenisierung zwar Kosten senken kann, dass rechtliche Regeln, Liquiditätsabsicherungen und Settlement-Vereinbarungen aber zuerst weiter ausgearbeitet werden müssen.
Tokenisierte Aktien bieten Anlegern bereits zwei der Versprechen von Krypto: Handel außerhalb der Börsenzeiten und die Möglichkeit, mit kleinen Beträgen einzusteigen. Laut dem IWF gehen diese Vorteile jedoch mit deutlich mehr Volatilität und viel weniger Liquidität einher als bei normalen Aktien.
Handel außerhalb der Börsenzeiten
In seinem neuesten Global Financial Stability Report untersuchte der IWF die fünf am stärksten gehandelten tokenisierten US-Aktien, darunter Tesla, Nvidia und Alphabet, sowie eine breitere Kennzahl wie den Nasdaq-100-Index. Mehr als die Hälfte des Handels fand außerhalb der normalen US-Börsenzeiten statt. Rund 80% der Transaktionen waren kleiner als eine Aktie, was laut dem IWF zeigt, dass Anleger vor allem Wert auf 24/7-Zugang und niedrige Einstiegssummen legen.
Die Studie zeigt auch, dass tokenisierte Aktien nicht losgelöst vom traditionellen Markt sind. Mehr als 85% der Bewegungen, die nachts in tokenisierten Aktien entstanden, waren nach der Eröffnung des US-Markts innerhalb von fünf Minuten auch bei den normalen Aktien zu sehen. Das macht tokenisierten Handel als frühes Preissignal interessant, unterstreicht aber auch, wie eng der neue Markt noch mit dem alten verflochten ist.
Mehr Volatilität als normale Aktien
Laut dem IWF waren tokenisierte Aktien etwa 1,5-mal so volatil wie die vergleichbaren Aktien an traditionellen Handelsplätzen. Gleichzeitig waren sie deutlich weniger liquide. Die Organisation sieht darin ein Zeichen dafür, dass der Markt noch klein und fragmentiert ist, mit Handel verteilt über private Plattformen, öffentliche Blockchains, Verwahrer und Settlement-Tools, die nicht immer gut aufeinander abgestimmt sind.
Diese Fragmentierung ist auch für europäische Krypto-Nutzer relevant, weil tokenisierte Aktien immer häufiger auf Krypto-Börsen und neuen Handelsplattformen auftauchen. Die SEC hat inzwischen eine vorübergehende, bedingte Ausnahme für begrenzten Handel mit tokenisierten Aktien auf sogenannten Tokenized Securities Venues genehmigt, während die NYSE unter Eigentümer Intercontinental Exchange an einer Plattform für den 24/7-Handel mit tokenisierten Aktien und ETFs arbeitet. Das zeigt, dass es in der Debatte nicht mehr nur um Krypto geht, sondern auch um die Frage, wie weit traditionelle Märkte Blockchain-Infrastruktur zulassen wollen.
Auch der jüngste SEC-Schritt für tokenisierte Aktien auf der Blockchain passt in diese Entwicklung: Aufseher suchen nach einem Rahmen, in dem echte Aktienrechte und On-Chain-Handel besser zusammenpassen.
Warum das jetzt zählt
Der IWF warnt, dass Tokenisierung zwar Kosten und Zeit sparen kann, etwa indem Dividendenzahlungen und Collateral-Transfers automatisiert werden. Der Fonds weist aber auch auf ein anderes Risiko hin: Wenn 24-Stunden-Handel, automatische Margin Calls und schnelle Liquidationen zusammenkommen, könnte ein Schock schwerer zu kontrollieren sein. Laut dem IWF müssen deshalb rechtliche Regeln, Liquiditätsabsicherungen und Settlement-Vereinbarungen weiter ausgearbeitet werden, bevor der Markt deutlich größer wird.