Indien lässt Jack Dorseys Bitchat von GitHub entfernen
Die Maßnahme betrifft eine Open-Source-App, die auch Bitcoin-Transaktionen per Bluetooth weiterleiten kann, während Indien bei Protesten häufiger Internetabschaltungen einsetzt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Indiens Cybercrime-Aufsichtsbehörde hat GitHub auf Grundlage von Section 79(3)(b) des IT Act angewiesen, Bitchat offline zu nehmen.
- Bitchat ist eine dezentrale Messaging-App von Jack Dorsey, die verschlüsselte Nachrichten und Bitcoin-Transaktionen über Bluetooth-Mesh-Netzwerke weiterleitet.
- Die Maßnahme fügt sich in Indiens breiteres Vorgehen mit Internetabschaltungen und dem Druck auf Offline-Kommunikationstools bei Protesten ein.
Indiens Cybercrime-Aufsichtsbehörde hat GitHub angewiesen, Bitchat zu entfernen. Die Messaging-App von Block-Chef Jack Dorsey kann auch Bitcoin-Transaktionen weiterleiten. Der Schritt fällt in eine Phase, in der Demonstranten in Delhi Mesh-Tools nutzen, um trotz wiederholter Internetabschaltungen miteinander zu kommunizieren.
Takedown nach Protesten
Das Indian Cyber Crime Coordination Centre, das dem Innenministerium untersteht, erließ die Anordnung am späten Donnerstag auf Basis von Section 79(3)(b) des IT Act. In der Mitteilung, die CoinDesk eingesehen hat, werden drei mit Bitchat verknüpfte GitHub-Repositories genannt. GitHub hatte drei Stunden Zeit, den Zugriff zu sperren.
Nach Angaben der Behörden ermöglicht die App anonyme Kommunikation ohne Registrierung, Telefonnummern oder zentrale Protokollierung. Dadurch würden rechtmäßiges Abhören, die Identifizierung der Beteiligten und Ermittlungen durch Strafverfolgungsbehörden deutlich erschwert.
Was Bitchat macht
Bitchat ist eine dezentrale Messaging-App, die verschlüsselte Nachrichten zwischen Smartphones über Bluetooth-Mesh-Netzwerke weiterleitet. Dafür braucht es weder Internetverbindung noch Server oder Konten. Dorsey stellte die Software im Juli 2025 als Open-Source-Projekt vor.
Die App ist außerdem darauf ausgelegt, Bitcoin-Transaktionen offline weiterzuleiten. Zahlungen können dabei von Smartphone zu Smartphone gereicht werden, bis ein Gerät mit Verbindung sie schließlich ins Netzwerk broadcastet. Für Bitcoin-Befürworter ist genau dieser permissionless-Charakter entscheidend, weil Transaktionen so auch während Blackouts, Naturkatastrophen oder staatlich angeordneten Abschaltungen funktionieren können.
Indien verschärft den Druck auf Tools
Der Schritt passt zu einem breiteren Muster in Indien, wo Internetabschaltungen bei Unruhen häufiger eingesetzt werden. Laut früheren Dokumentationen geht es um mehr als 100 Vorfälle pro Jahr in verschiedenen Bundesstaaten. Auch bei Protesten rund um den Citizenship (Amendment) Act im Jahr 2019 verzeichneten Offline-Apps wie Bridgefy und FireChat bereits einen deutlichen Anstieg der Nutzung.
Für europäische Krypto-Leser ist vor allem relevant, dass der Fall zeigt, wie Messaging-Apps, Netzwerkkontrolle und Bitcoin-Funktionalität immer häufiger im selben Zusammenhang diskutiert werden. Er macht auch deutlich, dass Open-Source-Code nach einem Takedown nicht automatisch verschwindet, weil Projekte oft auf mehreren Hosts gespiegelt werden. Das knüpft an breitere Diskussionen über Bitcoin-Sicherheit und Open-Source-Entwicklung an, wie im Bitcoin Security Consortium, wo große Akteure Geld für Forschung bereitstellen, ohne die Protokolle selbst zu steuern. Ob GitHub die gesetzte Frist von drei Stunden eingehalten hat, war bei Veröffentlichung noch nicht klar.