Robinhood drängt auf Regeln für tokenisierte Aktien in den USA
Robinhood verweist auf Tokenisierung als neue Marktinfrastruktur mit 24/7-Handel und schnellerer Abwicklung. In den USA bleiben Wertpapiergesetze und Aktionärsrechte die größte Hürde.

Wichtigste Erkenntnisse
- Robinhood-Chef Vlad Tenev drängt auf lockerere US-Regeln für tokenisierte Aktien und warnt, dass die USA sonst Marktinfrastruktur aus der Hand geben.
- Robinhood bietet tokenisierte US-Aktien bereits in mehr als 120 Ländern an, mit wirtschaftlichem Exposure zu mehr als 190 US-Aktien und Dividendenausschüttungen.
- In den USA bleibt die Regulierung trotz Entwicklungen bei Nasdaq und der NYSE rund um Blockchain-Abwicklung und 24/7-Handel die größte Hürde.
Robinhood-Chef Vlad Tenev setzt US-amerikanische Aufsichtsbehörden unter Druck, tokenisierten Aktien mehr Spielraum zu geben. Seiner Ansicht nach läuft die USA Gefahr, die nächste Generation der Marktinfrastruktur an ausländische Märkte zu verlieren, während Robinhood außerhalb der Landesgrenzen bereits mit tokenisierten US-Aktien aktiv ist.
Tokenisierung als Marktinfrastruktur
Tenev beschreibt Tokenisierung als mehr als nur eine technische Spielerei. In einem Post auf X nannte er die aktuelle Phase eine globale "Tokenization Supercycle" und knüpfte damit an seine frühere Aussage an, dass die Technologie zu einem "freight train" werden könnte, der die traditionelle Finanzwelt grundlegend verändert.
Robinhood bietet tokenisierte US-Aktien inzwischen in mehr als 120 Ländern an. Nutzer erhalten wirtschaftliches Exposure zu mehr als 190 US-Aktien, einschließlich Dividendenausschüttungen. Die tokenisierten Anteile sind 1:1 durch die zugrunde liegenden Aktien gedeckt, aber die Inhaber besitzen diese Aktien nicht direkt. Genau dieser Unterschied steht im Zentrum der Debatte darüber, was tokenisierte Aktien rechtlich und wirtschaftlich genau darstellen.
Tenev sagt, der eigentliche Wert liege in der Infrastruktur darunter. Seiner Ansicht nach können tokenisierte Assets rund um die Uhr gehandelt werden, in Echtzeit abgewickelt werden und zwischen kompatiblen Wallets und Plattformen bewegt werden, ohne die Transferprozesse traditioneller Broker.
Warum die USA zurückliegen
Die Diskussion ist Teil einer breiteren Verschiebung in der Marktstruktur. Branchendaten zeigen, dass tokenisierte Aktien in den USA nicht mehr nur in Pilotprojekten existieren: Nasdaq erhielt grünes Licht, damit einige tokenisierte Aktien auf einer Blockchain abgewickelt werden können, und die NYSE arbeitet an einer Plattform für 24/7-Handel mit tokenisierten Aktien und ETFs. Damit verschiebt sich die Debatte von Experimenten hin zu Live-Infrastruktur, auch wenn Themen wie Corporate Actions, Entitlements, Referenzdaten und Settlement in einer Umgebung, die dauerhaft über mehrere Handelsplätze laufen kann, weiterhin schwierig bleiben.
Für Tenev ist Settlement das stärkste Argument. Er verwies auf die GameStop-Rallye im Jahr 2021, als Robinhood den Kauf einiger Aktien einschränkte, nachdem die Collateral-Anforderungen der Clearinghäuser gestiegen waren. Seiner Ansicht nach zeigt das, wie die alte Settlement-Infrastruktur in Stressphasen zusätzlichen Druck auf das System ausüben kann. Seitdem wurde die US-Abwicklung zwar von T+2 auf T+1 verkürzt, doch Tenev meint, Tokenisierung könne diese Verzögerung weiter reduzieren.
Regulierung bleibt die Bremse
In den USA bleibt die Regulierung die größte Hürde. Wertpapiergesetze stellen Anforderungen an Handel, Verwahrung, Clearing und Aktionärsrechte, und ein Asset auf einer Blockchain zu platzieren hebt diese Pflichten nicht auf. Tenev sagte jedoch, er erwarte, dass zukünftige tokenisierte Aktien traditionelle Aktionärsrechte enthalten könnten, wenn die Regeln das zulassen.
Robinhood testet das Modell bereits außerhalb der USA, für US-Anleger bleibt der Markt aber weitgehend geschlossen. Tenev nannte auch breitere Anwendungsfälle wie private Unternehmen und Immobilien, auch wenn das vorerst eine Vision für die nächste Phase der Tokenisierung bleibt.
Für europäische Krypto- und Marktbeobachter ist das relevant, weil tokenisierte Aktien die Grenze zwischen Krypto-Infrastruktur und traditionellen Wertpapiermärkten immer stärker verwischen. Wenn große US-Unternehmen und Aufsichtsbehörden diese Richtung weiter legitimieren, könnte das auch beeinflussen, wie Exchanges, Broker und Krypto-Plattformen in Europa ihr Angebot und ihre Custody-Strukturen aufbauen.